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Astrologie-Fernkurs Astropolarity - Widder, Mars

(Auszug aus dem Astrologie-Fernkurs Astropolarity von Peter-Johannes Hensel)

1. LEBENSPRINZIP / WIDDER / MARS / FELD 1

Vorbemerkung: In der Ausbildung der AstroPolarity-Lehre wird allergrößter Wert auf die nachhaltige und differenzierte Darstellung der 12 Tierkreis- bzw. Lebensprinzipien gelegt. Ohne eine tiefe und genaue Kenntnis dieser 12 Grundlagen ist jedes weitergehende Verständnis astrologischer Zusammenhänge nicht möglich bzw. auf Sand gebaut.

Das erste Lebensprinzip findet seinen Niederschlag aus astrologischer Sichtweise in dem Tierkreiszeichen Widder, in dem dazugehörigen Planeten Mars und dem dazugehörigen oder analog zu sehenden ersten Feld bzw. ersten Haus des Horoskops. Wir gehen davon aus, dass der Tierkreis das gesamte Leben und alles Lebendige an sich widerspiegelt - und daher der Beginn des Tierkreises gleichzusetzen ist mit dem Beginn des Lebens. Wenn wir uns über das Widder-Prinzip klarwerden wollen, dann müssen wir uns über das klarwerden, was wir den Beginn des Lebens nennen. Damit ist aber nicht ein bestimmtes Leben gemeint, geschweige denn ein bestimmtes menschliches Leben. Sondern es ist das Leben allgemein. Man könnte auch sagen, es ist der Beginn der Schöpfung. Das müsste dann, wenn wir von einem wirklichen Beginn sprechen, im ersten Lebensprinzip, im Prinzip Widder, widergespiegelt werden.

Dadurch bekommt das Widder-Prinzip plötzlich eine sehr enorme Tiefe und große Bedeutsamkeit, die man normalerweise in das Widder-Prinzip - das wird von vielen Astrologen sehr unterschätzt - nicht hineinlegen würde. Diese Tiefe des Widder-Prinzips ergibt sich einfach dadurch, dass es vollkommen am Anfang des Tierkreises steht. Man müsste sogar besser sagen, es steht noch vor dem Anfang. Denn der eigentliche Beginn, in dem Sinne dass konkrete Dinge, das heißt also letzten Endes Materie, sichtbar ist, das wird dann erst im zweiten Lebensprinzip, im Tierkreiszeichen Stier, der Fall sein. Im Grunde genommen ist einerseits eine enorme Tiefe im Sinne der Bedeutung des Widder-Prinzips zu sehen. Auf der anderen Seite ist das Widder-Prinzip aber auch von einer extremen Einfachheit gekennzeichnet. Das heißt es gibt nur ganz, ganz wenige Fakten, die über das Widder-Prinzip im Kern wirklich zu wissen sind. Anders ausgedrückt: Das erste Lebensprinzip ist ganz einfach aufgebaut. Wir werden sehen, wenn wir den Tierkreis und die einzelnen Lebensprinzipien entwickeln, also sozusagen vom 1. bis zum 12. Lebensprinzip durchlaufen, dass die einzelnen Strukturen der Lebensprinzipien nach und nach immer komplexer und komplizierter werden, immer vielschichtiger. Wir werden deshalb von Mal zu Mal etwas mehr Zeit brauchen, um das entsprechende Lebensprinzip durchzuarbeiten.

Das Widder-Prinzip ist allerdings ein wirklich sehr einfaches, obwohl es in seiner inhaltlichen Tiefe auf keinen Fall unterschätzt werden darf. Allerdings ist es so, dass die inhaltliche Tiefe sich nicht über reines Faktenwissen erschließt. Sondern das ist im Grunde genommen ein Problem, was man nur im Laufe der Zeit lösen kann, das heißt mit intensiver Beschäftigung mit den astrologischen Gegebenheiten. Dinge in ihren wirklich inneren Kern zu erschließen, braucht Zeit und in diesem Sinne auch eine gewisse Erfahrung.

Im Widder-Prinzip gibt es keine Formen, es gibt keine Gestalten, es gibt keine Räume. Es gibt nur das, was wir Ur-Energie nennen wollen. Für diese Ur-Energie, oder anders gesagt „für diese Energie, die in allem, was lebt, enthalten ist“ gibt es bzw. gab es auch in sämtlichen Kulturen zu allen Zeiten immer bestimmte Namen, bestimmte Titulierungen, um diese Energie irgendwie beschreibbar zu machen. Beispielsweise haben die Chinesen diese Energie „Chi“ genannt. Vielleicht haben Sie schon einmal etwas von Tai Chi gehört, eine bestimmte Bewegungskunst, die sich die Ur-Energie, eben diese Chi-Kraft, zunutze macht. Im Japanischen nennt man das nicht Chi, sondern Ki. Beispielsweise kennen Sie die japanische Kampfkunst des Aikido. Und diese mittlere Silbe „Ki“ entspricht dem, was wir als Lebensenergie bezeichnen. In Indien nennt man diese Energie Prana. Es gibt im indischen Yoga die sogenannten Pranayamas, das sind Atemübungen, mit deren Hilfe man Lebensenergie in den Körper leitet.

Genauso gibt es auch in der europäischen Kultur Überlegungen und Versuche, diese Energie nachzuweisen, beziehungsweise auch mit bestimmten Namen zu belegen. Zum Beispiel hat Wilhelm Reich diese Energie „Orgon“ genannt und entsprechend viele Abhandlungen über diese Energie geschrieben. Der wahrscheinlich in dem Zusammenhang berühmteste Vertreter, auf den wir innerhalb des Lehrgangs auch noch oft zu sprechen kommen werden, ist der Schweizer Psychoanalytiker oder Tiefenpsychologe Cargus Dafium. Cargus Dafium war ein Schüler von Sigmund Freud. Und dieser Sigmund Freud wiederum, den Sie sicherlich vom Namen her kennen, war quasi der Begründer der Psychoanalyse. Er hat den Begriff „Libido“ geprägt, als eine dem Menschen innewohnende Kraft, vor allen Dingen in Bezug auf Sexualität gesehen.

Und dieser Libido unterstellte Sigmund Freud, dass sie für alle Entgleisungen und psychischen Schäden, die im Menschen entstehen können, als Kraft, als wirkende Kraft, verantwortlich sei. Abgesehen von vielen anderen Faktoren. Mit dieser etwas eingeengten Sichtweise, dass die Libido nach Sigmund Freund sich vor allen Dingen auf den Sexualtrieb bezieht, konnte sein Schüler Carl Gustav Jung nichts anfangen. Das ist auch einer der Gründe gewesen, warum die beiden sich dann irgendwann im Laufe der Jahre auseinanderentwickelt und dann getrennt haben. C. G. Jung hat diesen Begriff Libido übernommen und gesagt, die Libido ist das, was wir eigentlich die Urkraft, die Ur-Lebensenergie nennen. Und so könnten wir im europäischen Kulturraum sagen, dass Libido im psychoanalytischen Sinne gesehen der Energie entspricht, die wir astrologisch unter dem Widder-Prinzip verstehen können.

Widder gleich Mars, gleich erstes Feld, ist zunächst mal nichts weiter als reine Energie, die potenziell dazu bereitsteht, damit aus ihr heraus oder mit ihrer Hilfe Leben entstehen kann. Leben in dem Sinne, wie wir es normalerweise versuchen zu verstehen, gibt es im Widder noch nicht. Es gibt nur die zur Verfügung stehende Energie, die das Leben bräuchte, wenn es denn existierte. Wenn man so will ist Widder oder Mars vergleichbar mit Benzin. Solange es keine Autos gibt, nützt das Benzin auch nichts. Aber wenn es Autos gibt, braucht jedes Auto, um Auto sein zu können - das heißt um fahren zu können - Benzin. Es ist also die Energie, die notwendig ist, dass Leben überhaupt als solches in Erscheinung treten kann.

Wenn nun das Widder-Prinzip Lebensenergie ist und wir gesagt haben, am Anfang des Tierkreises kann es nur dieses eine geben, nichts anderes, dann kann auch außer dieser Lebensenergie nichts anderes existieren. Und das bedeutet, dass es auch in diesem Sinne keinen Raum gibt, in dem sich diese Lebensenergie aufhält. Es gibt außer dieser Energie nichts. Es gibt keinen Raum und - das ist jetzt entscheidend wichtig – es gibt auch in dem Sinne keine Richtung, in die diese Energie des Widders fließt. Denn gäbe es eine Richtung, müsste das bedeuten, dass es irgendetwas Richtungsgebendes gibt, d.h. ein Ziel, wohin diese Energie fließen müsste. Wenn es aber dieses Ziel gäbe, dann gäbe es außer dieser Energie eben noch etwas anderes, eben dieses Ziel. Aber im Widder-Prinzip gibt es das noch nicht. Also kann es auch kein Ziel geben, also kann diese Energie auch nicht fließen. Wenn wir überhaupt von einer Bewegung ausgehen wollen, die diese Energie hat, dann würden wir sagen müssen, dass diese Energie richtungslos ist. Sie ist aus sich selbst heraus richtungslos, weil es außer ihr nichts gibt... also auch keine Ziele gibt, wohin sie sich bewegen könnte. Würde sie sich wohin bewegen, dann hätte sie eine Richtung. Aber da es nichts gibt, muss diese Energie aus sich selbst heraus richtungslos sein.

Folgendes Bild könnte das Widder-Prinzip veranschaulichen, wobei der Vergleich “hinkt“, denn es gibt ja noch keine Teilchen, sondern nur pure Energie: man stelle sich vor, dass „Energieteilchen“ wie zum Beispiel lose Metallspäne auf einer Glasplatte liegen. Sie liegen da und führen ein Dasein. Ansonsten gar nichts. Wenn man so will, sind sie aus sich selbst heraus richtungslos, und in einem gewissen Sinne könnte man sagen, auch bewegungslos. An dieser Stelle möchte ich auf einen wichtigen Punkt kommen, der in vielen astrologischen Büchern, aber auch von vielen Astrologie-Lehrern, aus meiner Sicht vollkommen falsch dargestellt wird. Sehr häufig hört oder liest man, dass ein Mensch, der eine starke Widder-Anlage hat, „aktiv“ ist. Das ist vollkommen falsch. Ein Widder-betonter Mensch – und möglicherweise kennen Sie selber auch einige; beziehungsweise Sie sind vielleicht selber ein Mensch, der eine starke Widder-Anlage hat – ein Widder-betonter Mensch ist nicht aktiv. Denn das würde bedeuten, dass er, um die Definition wieder zu gebrauchen, aus sich selbst heraus eine Richtung hätte. Wenn im Kern das Widder-Prinzip keine Richtung haben kann, weil es außer der Energie nichts anderes gibt, kann es auch nicht richtig sein, einem Widder-betonten Menschen Aktivität zu unterstellen.

Das Gegenteil ist richtig. Der Widder ist nicht aktiv, sondern er ist reaktiv. Anders ausgedrückt: jede scheinbare Aktion, die man bei einem Widder-betonten Menschen beobachtet, ist keine wirkliche Aktion im Sinne einer absichtlichen Bestimmtheit aus sich selbst heraus, sondern es ist eine Reaktion auf einen äußeren Reiz. Der Widder ist reaktiv. Das heißt er ist von außen steuerbar. Er reagiert. Damit sage ich nicht, dass er „nur reagiert“, um das vielleicht zu bewerten oder in dem Falle sogar abzuwerten. Reaktiv ist nicht besser oder schlechter als aktiv. Und aktiv ist nicht besser oder schlechter als reaktiv. Es sind zwei vollkommen verschiedene Verhaltensformen, beziehungsweise zwei verschiedene Bedingungen, die zu einem bestimmten Verhalten führen können. Die sind aber beide wertneutral zu betrachten. Fakt ist aber, dass Sie unbedingt verstehen müssen, dass das Widder-Prinzip in keinem Falle aktiv sein kann, sondern immer nur reaktiv ist. Ein Widder-betonter Mensch reagiert also. Und das, was wir als Reaktion im Sinne seines Verhaltens dann sehen - und das ist häufig relativ energiegeladen, wenn die entsprechende Anlage frei zur Geltung kommen kann - würden wir durchaus durch die Beobachtung sagen, das ist ein aktiver Mensch. Aber im Grunde, im Kern seines Widder-Wesens, ist er reaktiv. Er reagiert. Er agiert nicht, er reagiert.

Als ein sehr schönes Bild kann man für das Widder-Prinzip den Blitz nehmen. Und zwar in dem Sinne, als zwar auch dieses Bild ein kleines bisschen hinkt, weil wir von wirklichen Bildern erst ab dem zweiten Lebensprinzip sprechen können, denn ein Bild setzt sich aus vielen verschieden Faktoren zusammen. Und im Widder-Prinzip gibt es eigentlich nur die entsprechende Energie. Aber um uns ein kleines bisschen zu helfen, ist das Bild des Blitzes gar nicht mal schlecht. Bevor es den Blitz als solchen für uns Menschen auch sichtbar am Himmel gibt, ist ein ungeheures Maß an Energie vorhanden, die sich dann als sichtbarer Blitz entladen wird. Diese Energie ist im Sinne ihrer inneren Richtungslosigkeit auf der Suche nach einem Ziel. Wenn es denn so weit ist, wird sich ein entsprechendes Ziel dieser Energie zeigen. Dann wird diese Energie, die ein Blitz werden will, sich zu einem Blitz formen, und zwar nur deshalb, weil diese Energie auf das Ziel reagiert, was sich anbietet. Wenn also irgendwo auf freiem Feld ein Baum steht, dann wird die Energie, die im Himmel wartet, um ein Blitz werden zu können, so lange „warten“ bis sie sozusagen nahe genug an dem Baum dran ist. Und dann wird der Baum dasjenige Ziel sein, auf das die Energie, die im Himmel als zukünftiger Blitz wartet, reagieren wird. Dann bündelt sich diese Energie und schlägt als sichtbarer Blitz in den Baum ein. Bloß – dieser Vorgang, der Bündelung von Energie, ist schon nicht mehr Widder, sondern das ist schon im Übergang zum nächsten Lebensprinzip, was wir allerdings erst in der nächsten Lektion besprechen werden.

Um das Widder-Prinzip auch auf Widder-betonte oder –geprägte Menschen zuzuschneiden, müssen Sie nur eine einzige wesentliche Sache wissen. Das Leben selber setzt sich aus einer ungeheuren Vielzahl von Merkmalen zusammen. Wir allerdings sprechen im Moment, wenn wir über die Widder-Energie reden, über die Ur-Energie bzw. die Überlebensenergie, nur von diesem einen einzigen Merkmal. In der richtigen Welt trifft diese Energie aber sofort auf anderes außerhalb von ihr. Und das bedeutet, dass sie auch relativ schnell auf Widerstände trifft, zum Beispiel auf Räume, in denen sie sich aufhält. In dem Moment, wo diese Energie auf einen Widerstand trifft, wird diese Energie gestaut. Gestaute Energie würden wir psychologisch gesehen als Aggression bezeichnen. Das heißt, dass eine Widderbetonung im Horoskop sofort und ohne irgendwelche großen Einschränkungen ein Hinweis darauf liefert, dass dieser Mensch, der zu diesem Horoskop gehört, ein irgendwie geartetes Aggressionsproblem hat. Und zwar einfach deshalb, weil er eine Widder-Anlage hat. Weil er sich in einer körperlich, seelisch oder geistig begrenzenden Welt befindet, wird es so sein, dass diese Energie sehr schnell auf einen Widerstand stößt und anfängt, sich zu stauen. Es kommt immer wieder neuer Energienachschub hinterher und insofern staut sich diese Energie. Und irgendwann wird diese gestaute Energie versuchen, diesen Widerstand zu überwinden, zu brechen. Und wenn das nicht gelingt, entsteht das, was wir im ganz einfachen und primitiven Sinne Aggression nennen.

Sie können / Sie sollen / Sie müssten davon ausgehen - und das ist ein wichtiger Leitsatz auch fürs Interpretieren von Horoskopen - dass jeder Mensch, der eine Widderbetonung im Horoskop hat, ein Aggressionsproblem hat. Wie genau dieses Aggressionsproblem aussieht, in welchem Umfang es vorhanden ist, wie es zu lösen ist, etc. das können wir an dieser Stelle noch nicht besprechen. Das wird sich alles später erst ergeben. Vor allen Dingen dann, wenn wir die verschiedenen Arten von Aggressionsproblemen kennen gelernt haben. Generell machen Sie aber überhaupt keinen Fehler, sondern im Gegenteil, Sie machen eine ganz wesentliche Grundaussage: „Eine Widderbetonung im Horoskop bedeutet ein Aggressionsproblem – und zwar immer. Da gibt es keine Ausnahme.“

Sie sollten sich auch nicht scheuen - obwohl das am Anfang durchaus natürlich ist - eine solche Aussage zu machen. Damit sage ich nicht, dass Sie ab jetzt allen Menschen sagen, die Widder-betont sind oder die Sie meinen, als solche zu identifizieren: „hör mal, du hast ein Aggressionsproblem“. Das wäre albern. Aber Sie sollten auf jeden Fall, was das astrologische Lernen angeht, im Hinterkopf behalten, dass jeder Widder-betonte Mensch ein Aggressionsproblem hat. Zumindest, solange er in diesem Leben inkarniert ist und in dem Sinne also in einer endlichen Welt lebt. Das ist entscheidend wichtig. Wir werden so ein paar kleine Merksätze bei verschiedenen Tierkreisprinzipien aufstellen. Und die werden auch teilweise relativ heftig sein in ihrer Absolutheit. Sie werden möglicherweise erst mal sehr erstaunt sein, dass die Astrologie derartige Dinge behauptet. Aber im Laufe der Zeit, wenn Sie entsprechende Erfahrungen machen oder wenn Sie in Ihrem Bekanntenkreis sich mal entsprechende Menschen anschauen... genau anschauen... und in Ruhe anschauen... und ehrlich sind... dann werden Sie sehen, dass diese Aussagen richtig sind. Das Widder-Prinzip führt zu einem Aggressionsproblem. Wobei Aggression im astrologisch-psychologischen Sinne zunächst mal definiert wird als gestaute Energie.

Ich fasse an der Stelle noch einmal zusammen. Wir haben am Beginn des Tierkreises, was wir den Beginn des Lebens oder der Schöpfung an sich nennen. Zunächst wird es eine Form von Energie brauchen, damit potenziell Leben entstehen kann. Wir brauchen Energie, die in der Lage ist, das, was wir später Leben oder Lebensform nennen wollen, an sich zu behalten. In dem Sinne hat der Widder im Tierkreis einen entscheidenden Auftrag. Das heißt diese Energie, so könnte man es auch sagen, muss sich selbst erhalten können. Wie das funktioniert, können wir nicht sagen. Wir stellen aber fest, dass das Leben versucht, immer einen Weg zu finden, sich selbst zu erhalten. Das gelingt dem Leben in seiner komplexen Vielfalt nicht immer, aber wir wissen, dass es im Prinzip versucht, sich selbst zu erhalten. Und zwar auch gegen extremste Widerstände.

Stellen Sie sich einen kleinen Grashalm vor, der zubetoniert ist von einer Autobahn, von einer Betonschicht, die über ihn hinübergelegt worden ist. Jeder weiß, dass ein kleiner Grashalm in der Lage ist, sich durch den Beton den Weg wieder ans Licht zu bahnen. Das sind Phänomene, die unglaublich sind und die in ihrer Unglaublichkeit doch trotzdem aber in Vergessenheit geraten sind. Ein kleiner Grashalm hat derart viel Energie in sich, im Sinne von widderhafter Lebens- oder Überlebensenergie, dass er es schafft, durch zentimeterdicken Beton hindurchzuwachsen. Und in diesem Sinne könnten wir sagen, der Widder muss gewinnen. Das heißt, der Widder muss siegen, er muss sich selbst erhalten. Wäre dem nicht so, dann wäre der Tierkreis kein Tierkreis, sondern das, was wir Tierkreis nennen, wäre beim Widder bereits zu Ende. Und die Energie wäre wieder vergangen. Die Energie muss sich also selber erhalten, damit das, was wir Leben bzw. was wir Tierkreis nennen, letzten Endes auch entstehen kann. Der Widder muss siegen. Und wenn Sie sich Menschen anschauen, die eine starke Widderbetonung haben - immer vorausgesetzt, dass die nicht verdrängt ist, was auch sein kann - dann werden diese Menschen immer in irgendeiner Form siegen oder gewinnen wollen. Sie wollen nicht unterliegen. Sondern siegen, beziehungsweise am Leben bleiben.

Ich könnte auch sagen, ums Überleben kämpfen hat im weitesten Sinne immer mit einem Gefühl von Stärke zu tun, was man im Sinne der Energie, die durch einen fließt, entwickelt. Daraus resultiert, dass die größte Angst des Widder-Prinzips im Kern die Angst vor Schwäche ist. Also genau vor dem, was das Gegenteil von Stärke darstellt. Schwäche ist das Gegenteil von Stärke. Und da das Widderprinzip kämpfen muss ums Überleben, das heißt, da das Widder-Prinzip stark sein muss, muss es im Kern seines Wesens Angst vor Schwäche haben. Denn Schwäche stellt genau dasjenige psychologische Merkmal dar, das dem Kern des Widder-Prinzips am heftigsten widerspricht. Und so führt es dazu, dass viele Widder-betonte Menschen, häufig auch unbewusst oder instinktiv, allem was schwach oder krank ist, aus dem Wege gehen, beziehungsweise in sehr schlimmen Fällen versuchen, alles was krank und schwach ist, ihrerseits zu vernichten. Um nicht an diese sogenannte innere Schattenseite, an ihre eigene Ur-Angst erinnert zu werden.

Fakt ist aber, dass diese Ur-Angst besteht und das Widder-Prinzip alles tut, diese Angst um alles in der Welt zu vermeiden. Was in einem gewissen Sinne auch mit einem entsprechenden Verdrängungsmechanismus zu tun hat. Und so werden entsprechend Widder-betonte Menschen gewisse Schwächen, die sie bewusst oder unbewusst in sich spüren, mehr oder weniger wegdrängen, um das Bild von einer mehr oder weniger großen Stärke aufrecht zu halten. Wenn das allerdings nicht mehr gelingt, dann wird man davon ausgehen, dass unser Widder-betonter Mensch, den wir uns gerade als Beispiel vorstellen, ein wirklich existenzielles Problem bekommen hat.

Ich fasse an der Stelle noch einmal zusammen. Widderenergie – die Energie des ersten Lebensprinzips – ist aus sich selbst heraus richtungslos, führt ein Dasein, ohne räumlich anwesend oder sichtbar zu sein und steht potenziell zur Verfügung, damit mit Hilfe dieser Energie selbst Leben entstehen kann. Diese Energie wird sich im tatsächlichen Leben relativ schnell an bestimmten Widerständen stauen, es kommt zum Energiestau. Und in dem Sinne, psychologisch gesehen, führt das in einem Widder-betonten Menschen zu einem irgendwie gearteten Aggressionsproblem. Die Ur-Angst, die mit dem Widder-Prinzip einhergeht, ist die Angst vor Schwäche. Denn das Überleben-Müssen, das Kämpfen- und Siegen-Müssen beinhaltet gleichzeitig ein gewisses Gefühl oder ein Eigenverständnis von Stärke. Insofern ist das Gegenteil, die Schwäche, die eigentliche Angst, die im Kern des Widder-Prinzips ruht.

Das ist im Grunde genommen, und wir beschäftigen uns am Anfang der Ausbildung zunächst mal wirklich mit den Kernprinzipien der Tierkreiszeichen und Planeten, das ist eigentlich alles, was man an wirklich Wichtigem über das Widder-, Mars- oder 1. Feld-Prinzip wissen muss. Wir werden dieses Kernwissen, was wir hiermit auch abgeschlossen haben für das Widder-Prinzip, noch in verschiedenster Art und Weise im Laufe der Ausbildung differenzieren, differenzieren müssen - aber im Kern geht es um genau das, was wir eben im Vergangenen besprochen haben.

In der kommenden Lektion werden wir das zweite Lebensprinzip, das Stier-Prinzip, mit dem Planeten Venus und dem 2. Feld besprechen. Und da wird es dann tatsächlich auch um einen wirklichen Einstieg in den Tierkreis gehen. Denn wie gesagt, das Widder-Prinzip ist erst mal eine Vorform, eine absolute Urform, bei der man eigentlich noch nicht von einem wirklichen Beginn des Tierkreises reden kann. Es ist eher ein formeller Beginn, aber in dem Sinne denke ich, ist auch das, was ausgeführt worden ist, zu verstehen. Insofern eine kurze, aber – hoffe ich – prägnante Abhandlung über das Widder-Prinzip. Mehr, und das können Sie mir wirklich gerne glauben, mehr brauchen Sie im Kern nicht zu wissen. Denn im Grunde genommen gibt es auch nichts mehr als das, was eben geschildert worden ist, was den Kern des Widder-Prinzips ausmacht.

Zusammenfassung in Stichworten

Kernprinzip:

Erstes Entstehen von Energie (zum Überleben), die potentiell zur Verfügung steht, um Leben (in späterer Form) hervorzubringen. Die Energie ist richtungslos aus sich selbst heraus, daher reaktiv, sie führt „nur ein Dasein“ ohne Raum und Zeit.

Leit-Bild:

Natur: der Blitz. Tier: der Revierverletzer (Raubtier). Mensch: der Jäger

Ur-Angst:

vor Schwäche

Grund-Problem:

Aggression = Richtungslose Energie trifft auf Widerstand (in der dualen Welt), es entsteht ein Energiestau. Sagt immer: Ja...

Mythologie:

Phrixos flieht aus Angst vor seiner bedrohlichen Stiefmutter auf einem Widder. Seine Schwester Helle (seine weibliche Hälfte, die Anima!) stürzt aber vom Rücken des Widders ab. Phrixos beachtet dies aber nicht und steuert einem unbekannten Land, einem unbekannten Ziel zu und kommt darin um.

Baustein 1:

Das 1. Lebensprinzip ist die 1. Stufe der Entstehung von Realität im 1. Quadranten. Es stellt die primäre Überlebensenergie zur Verfügung, aus der heraus "die Dinge an sich" entstehen können, ohne dabei selbst als solche schon anwesend zu sein.

 

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