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Astrologie-Fernkurs Astropolarity - Löwe, Sonne

(Auszug aus dem Astrologie-Fernkurs Astropolarity von Peter-Johannes Hensel)

5. Lebensprinzip / LÖWE - SONNE - FELD 5

Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, uns das 5. Lebensprinzip, was astrologisch Tierkreiszeichen Löwe, vom Planeten Sonne und vom Feld Nummer 5 genannt wird, zu erarbeiten. Dieses 5. Lebensprinzip hat genau wie das vorhergehende 4. Lebensprinzip (Krebs, Mond, 4. Feld) eine ganz entscheidende und ganz zentrale Bedeutung in der gesamten Astrologie. Was ich hierzu anzumerken habe, möchte ich der Einfachheit halber beziehen auf den Planeten Sonne. Es gilt selbstverständlich auch für den Löwen und analog das 5. Feld.

Mond und Sonne sind die beiden - etwas altertümlich formuliert - Hauptgestirne, mit denen in der Astrologie gearbeitet wird, und das schon zu allen Zeiten. Ein Hauptgestirn wie Sonne und Mond soll nur bezeichnen, dass diese beiden Planeten Lebensprinzipien darstellen, die ganz grundsätzlichen Charakter haben. Aber das heißt nicht, dass sie in einem individuell ausgerechneten Horoskop generell eine größere Bedeutung als die übrigen Planeten haben.

Die wesentliche Grundbedeutung der beiden Hauptgestirne Sonne und Mond liegt in der Tatsache begründet, dass sie, wenn man sie zum Beispiel auf die menschliche Psyche überträgt, die beiden Hälften der Jung’schen Psychologie darstellen, der Anima und des Animus. Das bedeutet, dass der Mond, die Anima - die weibliche Hälfte oder der weibliche Anteil - der Psyche ist. Und die Sonne den Animus, also den männlichen Anteil der Psyche, darstellt. Dieselbe Grundüberlegung finden wir nicht nur in der europäischen Psychologie bzw. Tiefenpsychologie, sondern auch in jeder Art von Philosophie oder Religion. Vor allen Dingen auch in den ostasiatischen Religionen. Da gibt es das Prinzip des Ying und Yang. Wobei das Ying das Weibliche und das Yang das Männliche darstellt. Das heißt alle Menschen sind zu allen Zeiten davon ausgegangen, dass die Welt dualen Charakter hat. Und das diese Dualität - man könnte auch sagen diese Polarität - in der Welt auch aus menschlicher Sicht ihren Niederschlag in den Planeten finden muss, beziehungsweise in den Merkmalen, mit denen die Astrologie arbeitet.

Insofern sind diese Merkmale, beziehungsweise die Planeten, immer dual aufgebaut. Das heißt es gibt zu einem bestimmten Planetenprinzip immer auch einen Gegensatz. Vielleicht besser formuliert: ein ergänzendes Prinzip. So können wir sagen, dass die Sonne der Gegensatz bzw. die Ergänzung zum Mond darstellt. In dem Sinne, als der Tag die Ergänzung zur Nacht ist oder der Mann die Ergänzung zur Frau. Oder das Yang die Ergänzung zum Ying – und so weiter. Selbstverständlich kann das auch umgekehrt gesehen werden, dass das Ying die Ergänzung zum Yang ist oder die Frau die Ergänzung zum Mann. Das sind keine Bewertungen, wenn es hier um eine Reihenfolge geht. Tatsache ist, dass die Sonne das Gegenstück, den Gegenpart zum Mond spielt.

Wenn wir es psychologisch betrachten, was in der heutigen Astrologie durchaus sinnvoll ist, dann können wir durchaus sagen, dass die Sonne, und das ist jetzt das erste Wesentliche, was Sie sich in Zukunft astrologisch merken müssten, dass die Sonne das Bewusstsein des Menschen symbolisiert - im Unterschied zum Mond, der das Unbewusste darstellt. Die menschliche Psyche ist unter anderem unterteilt in das Unbewusste und das Bewusstsein. Insofern ist es wichtig, sich darüber Gedanken zu machen, wie groß der Anteil des Unbewussten oder wie groß der Anteil des Bewusstseins an der Gesamtpsyche ist. Dabei sollte man davon ausgehen, dass der Anteil des Unbewussten, also astrologisch gesehen der Anteil des Mondes, um ein Vielfaches größer ist als der der Sonne, der des Bewusstseins.

Das ist relativ leicht und logisch nachzuvollziehen, denn wenn es andersrum wäre, wenn also unser Bewusstsein bei uns selber den Anteil des Unbewussten übersteigen würde, dann wären wir alle auf dem Weg der Erleuchtung, beziehungsweise kurz davor. Aber solange das nicht der Fall ist, und ich gehe davon aus, dass es in der Regel nicht der Fall ist, müssen wir sagen, dass das Unbewusste einen viel größeren Raum einnimmt als das Bewusstsein. Was dann bedeutet, dass es viel mehr Dinge gibt, die wir nicht von uns wissen, als die, die wir von uns wissen. Sicherlich hat jeder Mensch eine bestimmte Vorstellung davon, ein bestimmtes Empfinden und Gefühl zu sich selber. Und hat in diesem Sinne ein sogenanntes Ich-Bewusstsein. Aber das heißt noch lange nicht, dass nur, weil er dieses besitzt, alles das, was er in diesem Ich-Bewusstsein über sich zur Verfügung hat, dass dies alles das ausmacht, was ihn ausmacht.

Letzten Endes ist das Bewusstsein vergleichbar mit dem kleinen Lichtkegel einer Taschenlampe, mit der man in einem großen dunklen Raum versucht, diesen Raum zu erkunden. Immer an die Stelle, wo der Lichtkegel der Taschenlampe hinfällt, könnten wir sagen, fällt das Licht des Bewusstseins hin und man wird für diesen Moment - was diese Angelegenheit betrifft, mit der man sich gerade beschäftigt - bewusster. Aber der Raum, in dem man sich aufhält, ist sehr, sehr, sehr groß. Und er kann von einem kleinen Scheinwerferkegel immer nur zu einem gewissen partiellen Teil bewusst gemacht werden. Alles andere bleibt im Dunklen.

Im Laufe der Zeit, im Laufe der Jahre, im Laufe der Lebenserfahrung, die man macht – und wir unterstellen jetzt ein gewisses Entwicklungsniveau und eine gewisse Entwicklungsbereitschaft – dass man den Teil des Bewusstseins immer mehr erweitert. Das heißt wir bekommen im Laufe unseres Lebens aufgrund unserer Erfahrungen, die wir machen, immer mehr Möglichkeiten, über uns und die Welt, in der wir leben, bewusst zu werden. Aber noch einmal: Der Anteil der Sonne, der genau für diesen Vorgang steht, ist immer im Gegensatz zum Unbewussten eingeschränkt. Selbst bei sehr, sehr weit entwickelten Menschen sollten Sie bitte unbedingt davon ausgehen, dass der Mond ein viel größeres Feld, einen viel größeren Raum darstellt im Sinne des Unbewussten, als das Bewusstsein.

Das wiederum heißt aber auf keinen Fall, dass die Sonne generell weniger wichtig wäre als der Mond. Von solchen Bewertungen sollten Sie sich auf jeden Fall fernhalten. Denn sie nützen niemandem. Vor allen Dingen nützen sie auch Ihnen relativ wenig, wenn es um das Lernen der astrologischen oder Lebenszusammenhänge geht. Von Bewertungen sollte man sich immer fernhalten, denn sie verstellen einem den Blick. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass der Planet Sonne, stellvertretend für Löwe oder das 5. Feld, in der Folge nach dem Krebs und dem Mond kommend, eine ganz bestimmte Aufgabe hat. Es ist nicht zufällig, dass der Löwe und die Sonne nach dem Krebs und dem Mond kommen.

Das Zeichen Krebs ist, wie in der letzten Lektion dargestellt, als die eigentliche Substanz des Seelischen zu verstehen. Um es etwas andres zu formulieren: das Zeichen Krebs entspricht dem, was wir unsere Identität nennen. Das heißt das Empfinden, was sich in uns zu unserem eigenen Wesen hin aufgebaut hat. Das was wir Identität nennen, ist als solches in uns - das ist wichtig - in uns eingelagert. Das bedeutet allerdings auch, dass die Identität im Sinne des Mondes und des Krebses aus sich heraus keine Möglichkeit hat, sich zu zeigen. Beziehungsweise sich wieder nach außen zu bewegen. Genau das ist die Aufgabe der Sonne und des Löwen. Die Sonne bewegt den Mond hinaus in die Welt.

Man könnte sagen - das ist ein ganz, ganz wichtiger zentraler Oberbegriff für die Sonne und das 5. Feld - die Sonne verleiht dem Mond, verleiht unserer Identität Leben. Leben ist ein Oberbegriff, vielleicht sogar der beste und wesentlichste Oberbegriff für die Sonne. Und damit für den Löwen und das 5. Feld. Alle Abwandlungen des Wortes Leben - also beispielsweise auch das Wort „Erleben“ - gehören zum Löwen. Wenn die Sonne den Mond zum Leben erweckt, dann bedeutet das nichts anderes, als dass die Sonne der Träger der Identität wird. Über die Sonne wird unsere Identität nach außen ins Leben getragen. Das heißt, dass unsere Identität über die Sonne lebendig wird. Sie wird lebendig in dem Sinne, sie wird sich zeigen. Und zwar in dem, was wir psychologisch gesehen unser Verhalten nennen.

Verhalten ist daher ein weiteres wesentliches Schlüsselwort für die Sonne und für den Löwen. Unser Verhalten ist nichts anderes als unsere gezeigte Identität. Und wenn das Verhalten unsere Identität zeigt, dann muss sich die Identität gezeigt haben. Das heißt sie muss sich nach außen bewegt haben. Dieser Vorgang des nach außen Bewegens von einem Inhalt, der vorher innen lag, genau das nennt man in der Psychologie die Emotion. Wenn Sie das Wort Emotion unterteilen, dann haben Sie eine Vorsilbe, das E, und dann den Begriff „Motion“. „E“ als Vorsilbe aus dem lateinischen kommend bedeutet „hinaus“. Und Motion bedeutet im übertragenen Sinne Bewegung. Also bedeutet das Wort Emotion die Hinausbewegung. Und damit wird klar, dass das Wort Emotion - und alles, was davon ableitbar und übertragbar ist - zur Sonne und zum Löwen gehört.

Damit wird weiterhin klar, und das ist umgangssprachlich sehr wichtig zu wissen, dass der Begriff „Gefühl“ oder der Begriff „Empfinden“, den wir ja für den Mond und den Krebs genannt haben, dass also das Fühlen und das Empfinden etwas anderes ist als das, was wir unter Emotion verstehen. Umgangssprachlich wird es leider immer wieder verwechselt. Viele Menschen sagen, Gefühl und Emotion ist dasselbe. Aber wir wissen, dass das nicht richtig ist. Das Gefühl ist die Substanz. Und das, was wir Emotion nennen, ist das hinausbewegte Gefühl. Also das Gefühl, was sich zeigt.

Eine Emotion hat immer mit einem bestimmten Verhalten zu tun, wir würden konkret sagen mit einem emotionalen Verhalten. Unter einem emotionalen Verhalten versteht man ein solches, bei dem Gefühle gezeigt werden. Insofern machen Sie bitte in Zukunft einen Unterschied zwischen Gefühl und Emotion. Denn Sie wissen, dass zwischen Mond und Sonne, beziehungsweise zwischen Krebs und 4. Feld, beziehungsweise dem Zeichen Löwe und dem 5. Feld, auch ein Unterschied besteht.

Löwe und Sonne ist das Herausbewegen des Inneren. Um einen etwas anschaulicheren Begriff für dieses Hinausbewegen zu wählen, könnten wir sagen, es ist eine Verausgabung. Die Sonne verausgabt sich. Das Leben verausgabt sich. Die Verausgabung, die dem Leben innewohnt, bezeichnet einen Vorgang, in dem es keine Kontrolle über die Menge dessen gibt, was verausgabt wird. Die Sonne und der Löwe stellen beide ein Lebensprinzip dar, das einzig zur Aufgabe hat, alldem, was bis dorthin im Tierkreis oder im Leben an sich entstanden ist, zum Leben zu erwecken. Sie können sich den Prinz vorstellen, der das Dornröschen küsst. Dieser Prinz, beziehungsweise besser gesagt der Kuss des Prinzen, das ist die Sonne. Die Sonne ist immer das, was zum Leben erweckt, was den Dingen Leben einhaucht - beziehungsweise ist es diejenige Kraft, die die Seele ins Leben kommen lässt, ins Leben entlässt. Zum Leben erweckt. Insofern geht ohne die Sonne gar nichts.

Das ist eine Aussage, die nicht neu ist. Denn Ihnen ist genauso wie allen anderen Menschen klar, dass wenn beispielsweise die reale Sonne am Himmel - die ja eine physikalische Analogie zu unserer astrologischen Sonne ist - wenn die nicht mehr scheinen würde, dann wäre innerhalb von allerkürzester Zeit sämtliches Leben auf der Erde erloschen. In fiktiven Experimenten hat man versucht nachzuweisen, dass das circa in zwei Wochen der Fall wäre. Nach spätestens zwei Wochen gibt es kein Leben mehr auf der Erde, für den Fall, dass es die Sonne plötzlich nicht mehr gäbe. Nun brauchen wir uns darüber keine Gedanken zu machen, das wird erst in ein paar Billionen von Jahren der Fall sein – und wer weiß, was dann ist. Solange wir denken können und geschweige denn solange wie wir leben, wird es die Sonne mit ziemlicher Sicherheit geben. Insofern brauchen wir keine Angst zu haben, dass es im globalen, universellen Sinne kein Leben mehr geben wird. Wir können daher getrost astrologisch mit der Sonne weiterarbeiten und immer davon ausgehen, dass sie der Träger des Lebendigen ist. Wobei dieses Leben, was die Sonne symbolisiert, das selbstverständliche Bedürfnis hat, sich zu verausgaben. Es geht ihr also um die Verausgabung von Lebenskraft. Es geht um die Verausgabung von Lebensenergie.

Wenn wir davon sprechen, dass das Innere nach außen gerät im Sinne einer Emotion oder eines emotionalen Verhaltens, dann ist das gleichbedeutend mit einem weiteren Schlüsselbegriff für die Sonne: Verwirklichung. Der Begriff Verwirklichung – oder psychologisch interpretiert der Begriff „Selbstverwirklichung“ – hat vor allen Dingen in den Achtzigerjahren eine große Bedeutung bekommen. Da redete fast jeder von Selbstverwirklichung. Was an sich gar nicht schlecht ist, nur hatte das zum Teil zur Folge, dass man zwar davon redete, aber gar nicht wusste, wer man war. Wenn ich jedoch davon rede, mich selbst zu verwirklichen, dann ist eine Bedingung, um das tun zu können, eine gewisse Kenntnis von mir selbst. Wenn wir davon ausgegangen sind, dass die Sonne unser Bewusstsein darstellt und das Bewusstsein wiederum nur einen kleinen Teil unserer Persönlichkeit darstellt, dann bedeutet Selbstverwirklichung im Kern des Wortes nichts weiter, als dass man den Teil, der einem bewusst ist, verwirklicht. So allerdings wurde dieser Begriff in der Regel nicht benutzt. Insofern ist er oder war er zumindest in dem Sinne, wie er benutzt worden ist, nicht in Ordnung.

Auf der anderen Seite ist das, was wir Selbstverwirklichung nennen, nichts anderes als der schöpferische Ausdruck des Menschen. Der Mensch hat mit der Sonne die Fähigkeit erworben, zu sich zu kommen. Sich im bewussten Teil seiner Psyche oder seines Wesens zu verwirklichen. Wenn wir auf der anderen Seite davon ausgehen, dass die Sonne Stück für Stück das verwirklicht, was im Innen angelegt ist - also bildlich gesagt, dass die Sonne Stück für Stück den Mond verwirklicht - dann können wir auch sagen, dass Selbstverwirklichung die Möglichkeit für den Menschen darstellt, zu einem Ganzen zu werden. Oder im esoterischen Jargon gesagt: heil zu werden. Diese Ganzwerdung des Menschen läuft immer über die Sonne. Die Sonne ist das Instrument, was den Menschen zur Ganzheit bringen kann.

Ich formuliere das in der Regel so, dass ich sage, die Sonne ist im Horoskop das Nadelöhr, durch das alle Planeten hindurchmüssen. Ein Nadelöhr ist in dem Sinne auch zu verstehen, als eine ziemlich enge Öffnung ist, durch die die Planeten, vor allen Dingen die großen, wichtigen Planeten, die kollektiven Charakter haben - wie Saturn, Uranus, Neptun oder Pluto – hindurch müssen. Das fällt ihnen natürlich recht schwer. Wenn ich sage, dass es den kollektiven Planeten schwerfällt, durch das Nadelöhr Sonne hindurchzulaufen, dann heißt das nichts anderes, als dass wir Menschen im Sinne der Selbstverwirklichung Schwierigkeiten haben, dies zu erreichen. Wir haben Schwierigkeiten, uns selbst zu verwirklichen. Und zwar deshalb, weil wir im Horoskop nicht nur die Sonne und den Mond, sondern noch acht andere Planeten haben - unter anderem mit Saturn, Uranus, Neptun und Pluto vier kollektive Planeten. Diese zu verwirklichen, anders ausgedrückt, diese durch das Nadelöhr zu ziehen, das ist – mit Verlaub – eine lebenslange Aufgabe. An der im Grunde genommen, wenn man den Anspruch hätte, das in einem Leben zu schaffen, fast jeder Mensch scheitert.

Ein Leben ist zu kurz, um alle Möglichkeiten, die man hat, zu verwirklichen. Manche Menschen haben möglicherweise den Eindruck, der ja auch berechtigt sein kann, dass sie einen ganz, ganz großen Teil ihres Potenzials verwirklicht haben. Aber die allermeisten Menschen sagen, da hätte es noch einiges gegeben, was ich hätte tun können. Und sicherlich auch noch sehr viel, wovon ich gar nichts wusste, was ich auch hätte tun können. Aber ich habe es halt nicht getan. Aus welchem Grund spielt an dieser Stelle jetzt keine Rolle. Fakt ist aber, dass es mehr zu verwirklichen gibt als das, was in der Regel von einem Menschen, der ein normales Leben geführt hat, was da tatsächlich dann unter dem Strich übrigbleibt.

Daraus wird klar, dass die Sonne eine wirklich sehr zentrale Bedeutung hat. In unserem Sonnensystem und im Leben. Denn Selbstverwirklichung ist eine zentrale Aufgabe und bedeutet nicht nur – was natürlich auch unterstellt werden kann – dass dies ein automatisch ablaufender Vorgang ist. Man kann letzten Endes tun und lassen, was man will. Man verwirklicht sich - ob man darum weiß oder nicht - in jedem Falle. Aber wenn man ein gewisses Bewusstsein um diejenigen Anteile hat, die es zu verwirklichen gilt, dann hat man gegenüber anderen Menschen, die dieses Bewusstsein nicht haben, einige Vorteile. Man kann sehr gezielt bestimmte Aufgaben im Leben angehen und wird sicherlich daraufhin auch entsprechend weniger Probleme im Leben haben.

An dieser Stelle zusammengefasst – und ich erinnere bitte noch einmal daran, dass wir am Anfang des Tierkreises mit relativ wenigen Fakten auskommen können: Die Sonne ist dasjenige Prinzip, was den Krebs, beziehungsweise den Mond, zum Leben erweckt. Die Sonne ist daher das Prinzip der Emotion, damit der Verausgabung all der Anteile, die innen liegen. Diese Verausgabung, dieser emotionale, lebendige Vorgang wird zusammengefasst Verwirklichung genannt. Da jede Verwirklichung immer auch mit einem bestimmten Verhalten einhergeht, ist der Begriff Verwirklichung von dem Begriff Verhalten nicht zu trennen. Der Begriff Verhalten ist auch im psychologischen Bereich ein ganz, ganz zentraler. Das heißt, es gibt verschiedene Verhaltensmöglichkeiten, Verhaltensmodalitäten, mit denen Menschen auftauchen können. Wir können astrologisch sagen, es gibt mindestens 12 verschiedene Verhaltensweisen, Arten und Weisen, sich zu verhalten. Die Sonne im Zeichen Zwillinge verhält sich beispielsweise anders als eine Sonne im Steinbock. Wie genau sie sich jeweils verhält ist dann Sache der Deutungsmethoden

Bestimmt haben Sie schon gehört, dass das Tierkreiszeichen Löwe, beziehungsweise Menschen, die eine Löwe-Betonung haben, den Ruf genießen - um es mal positiv auszudrücken - relativ selbstzentriert, wenn nicht sogar überheblich und eingenommen von sich selbst zu sein. Nun, das ist nicht gänzlich falsch, obwohl es auch eine Reihe von Löwen gibt, die nur eine sehr dünne Mähne haben und nur ein sehr armseliges Gebrüll zustande bekommen. Aber das hat dann damit zu tun, dass andere Faktoren im Horoskop das Löwe-Potenzial überlagern und schmälern. Na ja, dann haben wir halt einen ziemlich armselig dreinschauenden Löwen. Aber so etwas gibt es.

Unabhängig davon, was es alles für vielfältige Spielarten des Löwe-Prinzips gibt, kann aber gesagt werden, dass der Löwe an sich durchaus der Meinung ist, dass - um es mal etwas scherzhaft zu formulieren - der Tierkreis bei ihm zu Ende sei. Wir wissen, dass das offensichtlich falsch ist, denn der Tierkreis ist bei den Fischen zu Ende. Aber der Löwe weiß das nicht. Nun – woher soll er das auch wissen? Denn bei ihm angekommen im Tierkreis, ist das bisher das am weitesten entwickelte Niveau. Wenn Sie sich vergegenwärtigen, dass wenn der Löwe im Tierkreis erreicht ist, wir alle vier Elemente haben – der Widder ist Feuer, der Stier ist Erde, der Zwilling ist Luft und der Krebs ist Wasser – dann kann man sagen, dass in einem gewissen Sinne ein kleiner Tierkreis abgeschlossen ist. Der beginnt dann wieder neu beim Löwen, mit Feuer. Und danach folgt die Jungfrau, die Waage und der Skorpion, danach folgt also wieder Erde, Luft und Wasser. Dann geht es wieder weiter mit dem Schützen, der wiederum Feuer ist, bis zum Wasser, den Fischen. Das heißt nach dem Löwen wird der Tierkreis noch zweifach wiederholt, im Sinne der Wiederholung der Elemente. Aber natürlich immer auf einem jeweils höheren Niveau.

Man stelle sich den Tierkreis also bitte als eine nach oben gerichtete Spirale vor. Aber alles das weiß der Löwe noch nicht. Wobei man vermuten könnte, dass selbst wenn er es wüsste, er es auch nicht anders denken würde, dass er mit Sicherheit das Zentrum sei. Fakt ist, dass das Feuerelement Energie darstellt, dass das Erdelement, gleich Stier, das Körperliche darstellt, dass das Luftelement, gleich Zwilling, das geistige Prinzip darstellt und dass das Krebs-Zeichen mit dem Wasserelement das Seelische darstellt. Das heißt wir haben Energie und wir haben Körper, Geist und Seele. Das alles liegt hinter dem Löwen. Und der Löwe macht ein Mordsgebrüll und sagt: Hurra! Fertig! Das stimmt aber nicht. Auf kleinem Niveau gesehen ist es aber durchaus richtig. Und genau diese Tatsache, die jetzt so formell formuliert gewesen ist, führt im psychologischen Sinne dazu, dass der Löwe auch im Sinne von Selbstbewusstsein und von überzogenem Selbstbewusstsein der Ansicht ist, dass er das absolute Zentrum der Welt ist.

Im Sinne einer subjektiven Betrachtung der Welt hat er Recht. Aber es gibt nicht nur diese subjektive, sondern auch eine objektive Betrachtung, die den Blick etwas weitet. Und in diesem Sinne hat er natürlich Unrecht. Aber da wir im Moment sowieso noch nicht von Recht oder Unrecht oder einer rechtmäßigen Einschätzung oder unrechtmäßigen Einschätzung sprechen wollen, müssen wir einfach nur versuchen, zu verstehen, woher die doch zum Teil ausgeprägte Überheblichkeit und Selbstzentriertheit beim Löwen kommt. Psychologisch würde man von einem hybriden oder aufgeblähten Ich sprechen. Sie ist begründbar in der Tatsache, dass ein großer Teil des Tierkreises im Prinzip abgeschlossen ist. Sich allerdings von dem Entwicklungsniveau her im unteren Drittel befindet. Aus der Sicht des Löwen macht es, wie gesagt, nichts aus. Diese Selbstzentriertheit verleiht dem Löwe-Prinzip bzw. den Menschen, die eine starke Löwe-Betonung haben, eine Sicherheit im Auftreten, d.h. in ihrem Verhalten.

Ich rede jetzt von dem Prinzip, ich rede nicht von einem Menschen aus Fleisch und Blut, der eine Vielzahl von entsprechenden Planeten im Horoskop hat, die sich gegenseitig auch aushebeln können - das führt dazu, dass eine Selbstzentriertheit und eine Selbstsicherheit ins Spiel gebracht werden, von der andere Tierkreiszeichen nur träumen. Das heißt nicht, dass sie da unbedingt große Bewunderung für hegen. Teilweise, wenn man das jetzt prinzipiell betrachtet, wird anstelle von Bewunderung möglicherweise nur ein mitleidiges Lächeln übrigbleiben. Ich denke beispielsweise an den Wassermann oder den Fisch oder auch an den Steinbock. Die können über so ein Gebrüll des Löwen mit diesem enormen Auftritt, der dann einem „Provinzfürsten aus Kasachstan“ ähnelt, nur lächeln. Das hat nichts Staatsmännisches, das hat sehr viel von einem dick aufgetragenen Stolz, den man sehr wohl – man denke beispielsweise an den Steinbock – gegenüber dem, was man unter Würde versteht, unterscheiden muss.

Stolz und Würde – oder ich könnte astrologisch auch Löwe und Steinbock sagen – sind zwei grundverschiedene Verhaltensformen bzw. Möglichkeiten des Daseins. Insofern soll damit schon angedeutet sein, dass das, was wir unter Würde verstehen, sicherlich eine größere Wertschätzung genießt, als das, was wir unter Stolz verstehen. Stolz ist in der Regel etwas, was man sich selber verleihen kann, was auch einer subjektiven Bewertung unterliegt, in dem Sinne, als man einen Stolz zu Recht oder auch zu Unrecht tragen kann. Unter Würde versteht man aber etwas, was man sich nicht selber verleihen kann, was einem verliehen wird. Und über diese Verleihung bzw. über diese Ehrung, die mit einer Würdigung einhergehen, da gibt es keine relativen Standpunkte.

Die Selbstverständlichkeit des selbstbewussten Auftreten des löwe-betonten Menschen kann also einerseits einen enormen Eindruck auf andere machen, und das auch durchaus zu Recht. Denn es gibt ab und zu bestimmte Dinge, die im Leben zu tun sind, bei denen beispielsweise ein gewisser Mut erforderlich ist. Ich meine jetzt wirklich Mut, ich meine nicht Tollkühnheit - das ist noch etwas anderes. Dieser Begriff würde auch eher zum Widder-Prinzip passen. Aber an Mut mangelt es dem Löwen nicht, denn warum soll er den nicht haben, wenn er eh der Meinung ist, dass er als einziges Wesen in der Welt die Dinge anpacken und schaffen kann. Also hat er allen Grund, mutig zu sein.

Dumm wird es nur, wenn es nicht klappt! Dann wird allerdings der Löwe alle möglichen Situationen erfinden, um sagen zu können, ich habe es doch geschafft. Es wird später sehr notwendig sein, bei der ganzheitlichen Betrachtung von Horoskopen sich über die Sonne insofern im Klaren zu werden, als es doch schon einer gewissen Relativierung der Sonnenkräfte bedarf, damit die Sonne sich in den Gesamtzusammenhang des Horoskops einordnet. Denn bei sehr starken Sonnen, die durchaus auch durch sogenannte Löwebetonung kommen können, macht die Sonne bzw. der Mensch Aussagen in seinem Leben - nicht nur in Worten, sondern auch vor allen Dingen in Taten - die oft eine derartige Übertreibung darstellen, dass man das im Grunde genommen nicht ernst nehmen kann.

Ein negatives Beispiel wäre Saddam Hussein, der, um es mal ganz simpel und einfach zu sagen, einen Krieg verloren hat, aber dennoch vor sein Volk tritt und sagt: Hurra, wir haben gewonnen. – Da fällt einem eigentlich nur noch ein: glaube es, wer kann. Ansonsten wird man für den Löwen - und das geschieht spätestens bei dem nächsten zu besprechenden Tierkreisprinzip, nämlich der Jungfrau - nur ein müdes Lächeln übrighaben. Und die Jungfrau wird nicht nur ein müdes Lächeln übrighaben, das wäre wirklich auch ein bisschen zu wenig als Reaktion auf das überschäumende Leben, sondern die Jungfrau wird eine ganze Palette von Verfahren aufbieten, um dem Leben Paroli zu bieten. Das ist auch absolut notwendig, denn es muss in einem gewissen Sinne eine gewisse Einschränkung folgen, für die die Jungfrau berühmt - oder man könnte sogar sagen, berüchtigt - ist. Bei der Jungfrau ist, um es etwas salopp zu formulieren, Schluss mit lustig. Insofern hat die Jungfrau einen sehr ernsten Job, der allerdings relativ undankbar ist. Aber dazu in der nächsten Lektion mehr.

 

Zusammenfassung in Stichworten

Kernprinzip:

Verausgabung des Innen = E-Motion = Verwirklichung = Verhalten. Dies geschieht in subjektiver Selbst-Verständlichkeit, daher ist keine Selbst-Beschränkung möglich (bzw. wird nicht für nötig erachtet).

Leit-Bild:

Natur: das Licht. Tier: das Einzelraubtier. Mensch: der Vater (in seiner gütigen, herzenswarmen Form)

Ur-Angst:

vor Persönlichkeitsverlust

Grund-Problem:

Ungebremste (unkontrollierte) Selbstüberschätzung die auch nach offensichtlichen Fehlern anhält. Missachtung (aber ohne Absicht, sondern aus Selbstverständlichkeit heraus) der Anderen. Sagt immer: Ich...

Mythologie:

Hera liegt mit Herakles in Feindschaft. Sie schickt vom Mond den lernäischen Löwen der Herakles im Kampf auf Leben und Tod auf die Probe stellen soll. Herakles erwürgt das Tier und legt sich als Trophäe das Fell des Löwen um die Schultern. Der Kampf zwischen dem sich entwickelnden Ich (Löwe ist das 5. von 12 Zeichen!) und dem Instinkt (Tier). Erst wenn das “Tier“ im Menschen gebändigt ist, kann er sich höher entwickeln im Sinne der Jung´schen Individuation (vom Löwen zum Wassermann).

Baustein 5:

Das 5. Lebensprinzip ist die 2. Stufe der Entstehung des Innerseelischen im 2. Quadranten. Es ermöglicht der Empfindung, sich als Emotion nach außen zu bewegen und sich als Verhaltensform zu zeigen. Damit entsteht die Grundform dessen, was wir Leben nennen.

 

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