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Astrologie-Fernkurs Astropolarity - Real und Fühlen

(Auszug aus dem Astrologie-Fernkurs Astropolarity von Peter-Johannes Hensel)

REAL UND FÜHLEN

Die beiden Typen Real und Fühlen sind repräsentativ für die beiden weiblichen Elemente Erde und Wasser. Das bedeutet aber in keinem Falle, dass die beiden Funktionstypen Real und Fühlen nach Jung in irgendeiner Form oder in einem besonderen Maße etwas Weibliches in sich tragen. Das ist sicherlich eine zulässige, nachvollziehbare Schlussfolgerung, weil das Erdelement und auch das Wasserelement in dem Sinne das Weibliche, das archetypisch Weibliche, repräsentieren. Aber die Zuordnung der einzelnen Elemente zu den jeweiligen Typen wäre zu übertrieben, wenn sie in einer solchen, sagen wir mal, allgemeinen grundsätzlichen Form gemacht werden würde.

Es gibt ab und zu Astrologieschüler, die, wenn sie etwas über die Typologie von Jung lesen, beziehungsweise von entsprechenden Astrologen etwas über die Zuordnung der Elemente zu den Typen hören, dass sie dann versuchen, das archetypisch Männliche und Weibliche jeweils auch in den zugeordneten Typen wiederzufinden. Das ist verständlich, weil gerade C. G. Jung von den entsprechenden Teilen der Psyche, Anima und Animus, gesprochen hat. Aber Fakt ist, dass die Beschreibung der Real- und Fühltypen sowohl im Männlichen, wie auch im Weiblichen, einen ganz eigenen Widerhall findet. Hinzu kommt, dass in einem individuellen Horoskop, das uns immer als Vorlage für entsprechende Aussagen dient, eine so gewaltige und undurchdringliche Mischung von verschiedenen Anlagen vorliegt - auch im Sinne von weiblichen und männlichen Anlagen, wenn man es so kategorisieren möchte - dass es überhaupt keinen Sinn machen würde, eine der Betrachtungsebenen, nämlich die psychologischen Typen, nun im Besonderen in dieser Weise zu unterscheiden.

Der extravertierte Realtyp

Beginnen wir in dieser Lektion mit dem sogenannten Realtyp. Ich hatte bereits darauf hingewiesen, dass der Realtyp früher von C. G. Jung in der Originalversion seiner Darstellung als der Empfindungstyp bezeichnet wurde, beziehungsweise die entsprechende Funktion den Namen „empfinden“ trug. Das hat sich jetzt geändert und das ist auch sehr gut so. Bitte seien Sie daher nicht zu sehr verwirrt, falls Sie in irgendeiner Form innerhalb der Literatur, der Originalliteratur, auf diesen Begriff des Empfindens stoßen. Heutzutage wird in der tiefenpsychologischen Szene, die in Richtung C. G. Jung geht, dieser Begriff nicht mehr benutzt. Der Realtyp, zunächst der extravertierte Realtyp, hat als inferiore Funktion, das wissen Sie bereits, die Intuition. Diese Intuition muss, weil die erste Funktion des Realen extravertiert sein soll, ihrerseits introvertiert sein. Also – ein extravertierter Realtyp mit einer verdrängten introvertierten Intuition.

Dieser Mensch ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass er ein Meister im Beobachten von Details ist. Denn die auf das Erdelement bezogene Realfunktion ist dazu geschaffen, die reale, also damit die physisch sichtbare Welt, widerzuspiegeln. Anders formuliert: Die Realfunktion versetzt einen Menschen, der als Realtyp geboren wird, in die Lage, die Details, die sich in der physisch sichtbaren Welt befinden, nahezu ausnahmslos wie auf einer Fotoplatte abzuspeichern. Daher immer mein Ratschlag: Sollten Sie mal einen Verkehrsunfall haben und Sie brauchen unbedingt einen Zeugen, dann fragen Sie die Herumstehenden - soweit welche da sind - ob sie als erste Funktion das Reale nach C. G. Jung haben. Und wenn sie dann sagen „ja“ – dann können Sie sie gerne auch als Unfallzeugen benennen.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten im Sinne des entsprechenden Zeugen, den Sie sich da nehmen, ist, wenn der entsprechend Angesprochene sagt: „nein, ich bin kein Realtyp, sondern ich bin ein introvertierter Intuitiver“. Den können Sie mit Sicherheit nicht gut als Zeugen verwenden, denn Sie wissen ja, das ist hier in dem Falle auch die verdrängte Funktion - das ist sozusagen der absolute Gegentyp. Und der ist überhaupt nicht in der Lage, rechts und links zu unterscheiden. Wenn Sie beispielsweise von rechts gekommen sind, hatten Sie Vorfahrt. Und der wird sehr wahrscheinlich vor Gericht sagen, Sie sind von links gekommen, wenn er sich überhaupt noch dran erinnern kann, wovon die Rede ist.

Unser Realtyp muss also in diesem Sinne sehr konkret und praktisch veranlagt sein. Diese so geartete Veranlagung führt dazu, dass ein Realtyp bestens gerüstet ist, wenn es um die Bewältigung des Lebens im alltäglichen Ablauf geht. Das ist jetzt, und das muss ich an dieser Stelle wirklich noch einmal betonen, immer eine Aussage, die sich ausschließlich auf die entsprechende Erdbetonung und den entsprechenden Realtypen bezieht. Es gibt jede Menge Möglichkeiten in einem Gesamthoroskop, dass eine bestimmte Aussage, wie eben beispielsweise diese, wieder annulliert oder relativiert wird. Denn letzten Endes ist der Gesamtzusammenhang des Horoskops, also die Summe sämtlicher Anlagen, dafür verantwortlich, in welche Richtung ein Mensch von seinem Leben und von seinem Verhalten letzten Endes läuft. Aber wenn wir auf einer bestimmten Ebene sind, jetzt hier der psychologischen Typologie, dann müssen wir auch relativ eindeutige Aussagen machen, von denen wir aber wissen sollten, dass sie letzten Endes durch andere Faktoren wieder relativiert oder vielleicht sogar vollständig in den Hintergrund gerückt werden. Sodass sie möglicherweise überhaupt gar nicht in Erscheinung treten. Alles das, wie wir später sehen werden, ist möglich.

C. G. Jung hat einmal gesagt, dass der Realtyp ein sogenanntes seelenloses Wesen in entsprechenden Fällen sein kann, beziehungsweise sich in diese Richtung verwandeln kann. Er begründete das mit einer fehlenden Intuition. Das heißt er begründet das mit der entsprechend verdrängten Funktion, in dem Falle hier Intuition. Diese Aussage ist schon immer relativ umstritten gewesen, ist sie auch heute noch. Denn das würde bedeuten, dass die Intuition nach C. G. Jung einen gewissen seelischen Anteil in sich trägt, und das ist so gesehen relativ problematisch. Denn für den seelischen Anteil oder als Träger für das Seelische steht nach Jung hauptsächlich die Fühlfunktion zur Verfügung. Nun, es soll trotzdem nicht verschwiegen werden, dass Jung gesagt hat, dass der Realtyp ein oft seelenloses Wesen ist. Aber seelenlos ist hier im Sinne der fehlenden Intuition sicherlich nicht so zu verstehen, dass das Empfinden und Fühlen degeneriert ist oder in der Entwicklung stark zurückhinkt. Sondern das Intuitive - das muss hier verstanden werden - als die Fähigkeit eines Menschen, sich im geistigen Sinne in zum Beispiel andere Menschen und auch deren Leid hineinzuversetzen.

Es geht also bei der Intuition eher um einen geistigen Akt. Insofern auch, weil diese Funktion ja verdrängt ist, um eine gewisse Unfähigkeit, sich im geistigen Sinne, das heißt jetzt im Jung’schen Sinne intuitiv, in einen anderen, der eventuell leidet, hineinzuversetzen. Das führt dann zu einem Verhalten, das als „seelenlos“ bezeichnet werden kann. Aufgrund der fehlenden Intuition - und bitte wundern Sie sich nicht, dass viele Typen auch hauptsächlich durch ihre verdrängte Funktion beschreibbar sind - ist hier ebenfalls oft die Fähigkeit nicht vorhanden, Dinge in einer objektiveren oder auch abstrakteren Art und Weise zu betrachten. Das heißt ein Realtyp, vor allen Dingen auch ein extravertierter Realtyp, ist häufig sehr stark in den Umständen seines Lebens gefangen und von diesen Umständen auch gesteuert.

Bitte erinnern Sie sich daran, dass die Extraversion - also diese entsprechende Fließrichtung der psychischen Energie - immer bedeutet, dass man von außen steuerbar und abhängig ist. Wenn das gekoppelt ist mit den Realitäten des Lebens, dann ist man oft unbeweglich und in den Umständen gebannt. Das heißt man kann damit rechnen, dass Realtypen relativ häufig vor allen Dingen komplexere Probleme, die nicht das Reale, sondern das Seelische oder Geistige betreffen, langsamer zu lösen imstande sind. Insofern haben sie dann auch, aber das gilt für jeden, der eine bestimmte Funktion verdrängt, denjenigen gegenüber ein gewisses Misstrauen und eine gewisse Skepsis, die ihre verdrängten Funktion, in diesem Falle wäre das die Intuition, besser entwickelt haben.

Man kann davon ausgehen, dass ein extravertierter Realtyp einen Intuitiven, vor allen Dingen einen introvertierten Intuitiven, als einen Spinner bezeichnen würde, der nur unsinniges Zeug redet und nichts auf die Beine stellen kann. Nun, das mag in einzelnen Fällen durchaus richtig sein, ist aber an sich eine Aussage, die absolut gesehen natürlich vollkommener Unsinn ist. Denn hier handelt es sich um nichts weiter als eine Projektion der eigenen ungelebten Funktion, der introvertierten Intuition. Die kommt dann in Person anderer Menschen unserem extravertierten Realtypen von außen entgegen. Da er das nicht als seine verdrängte Funktion erkennen kann, muss er es ablehnen - wie fast alles, was man projiziert hat.

Auch unser extravertierter Realtyp wird ab und zu, ich sage mal gezwungen sein, sich mit seiner verdrängten Funktion auseinanderzusetzen, wie jeder andere Typ auch. Wenn das dann geschieht, wenn die introvertierte Intuition nach oben drängt, dann könnte man sagen, in Anlehnung an C. G. Jung: „dass er sich dann in einem Cocktail fernöstlicher Mystik oder jenseitiger Fantasien stürzt“. Das heißt er findet plötzlich ungeheuren Gefallen an Dingen, die er an sich bisher abgelehnt hat und nicht erklären kann. Allerdings können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass dieser Zustand nicht sehr lange anhält und dass er sich nach einer gewissen Zeit auf jeden Fall fragen würde, warum er diesen – so würde er das dann nennen – Blödsinn überhaupt so lange in seinem Leben zugelassen hat.

Während dieser Zeit kann es durchaus dazu kommen, dass dann eine Karriere, eine Lebenskarriere zu beobachten ist, die würde man mit einer gewissen Aussteigermentalität titulieren. Viele dieser extravertierten Realtypen sind dann zu den sogenannten Aussteigern geworden, obwohl sie vielleicht, bevor sie sozusagen aussteigen, dann doch eine relativ hohe berufliche Position im Leben eingenommen haben. Dieses typische Manager-Syndrom, die die Geschäftswelt überhaben und dann ein Jahr lang nichts weiter tun, als mit ihrer eigenen Segelyacht in der Südsee zu kreuzen und das als Aussteigen bezeichnen. Das ist durchaus eine der Varianten in einer sehr populären Form. Aber letzten Endes geht es wirklich darum, dass der sogenannte Aussteiger, der sogenannte extravertierte Realtyp, über seine wirklichen Motive nicht Bescheid weiß. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass diese relativ kurzfristig auftauchende Erlebnis- und Lebensform der verdrängten Funktion entsprungen ist und insofern auf keinen Fall von Dauer ist.

Eine sehr bemerkenswerte Möglichkeit für den extravertierten Realtypen ist es, seine introvertierte intuitive Funktion zu leben – und das ist häufig zu beobachten, allerdings nur auf hohem Niveau – indem er ganz plötzlich sinnhafte Erkenntnisse über bestimmte Zusammenhänge des Lebens hat, die ihn blitzartig treffen. Nur hat er manchmal die Schwierigkeit, weil es sich ja letztlich doch um die verdrängte Funktion handelt, diese entsprechenden Erkenntnisse irgendwie zu artikulieren, beziehungsweise sich wirklich richtig bewusst zu machen. Zudem wäre zu erwähnen, dass ein extravertierter Realtyp den realen, greifbaren Genüssen des Lebens nicht abgeneigt ist. Dagegen ist natürlich auch gar nichts zu sagen. Und wir können insbesondere auf höherem Entwicklungsniveau davon ausgehen, dass dann oft, so nennt man es im psychologischen Jargon, eine sogenannte verfeinerte Sinnlichkeit auftaucht, also eine verfeinerte Fähigkeit, das Leben genießen zu können.

Der introvertierten Realtyp

Nun kommen wir zum introvertierten Realtypen. Und der versucht nun - das ist eine sehr häufige Kennzeichnung dieses Typs - seine von unten auftauchenden, verdrängten Intuitionen, die aber in seinem Falle extravertierter Natur sind, zu konkretisieren. Konkretisierung ist eh ein wichtiges Wort für den Realtypen, egal in welcher Fließrichtung er gelebt wird. Wobei diese verdrängten Intuitionen, wenn die Realtypen aussteigen, trotzdem verlorengehen. Es ist so etwas wie Greifen nach Rauch. Immer wenn er versucht, etwas konkreter zu machen, was sozusagen an Eingebungen in ihm aufsteigt, dann geht das häufig verloren. Und je niedriger das Entwicklungsniveau ist, umso ausgeprägter ist das dann als Erscheinung vorhanden.

In vielen Büchern, die sich mit den Typen von C. G. Jung beschäftigen, wird der introvertierte Realtyp häufig als einer beschrieben, der im äußeren Sinne als „dumm“ erscheint. Das liegt daran, dass er zwar innerlich sehr schnell reagieren kann und entsprechende Erlebnisse auch sehr schnell implementiert. Aber er hat im äußeren Bereich aufgrund der Introvertiertheit seiner Realfunktion eine sehr langsame Reaktion den Geschehnissen gegenüber. Diese Langsamkeit seiner Reaktion wirkt auf andere in einem gewissen Sinne nicht als Langsamkeit oder Verzögertheit, sondern oft als Dummheit. Der wird also sehr, sehr häufig unterschätzt, vor allen Dingen auch intellektuell. Einfach nur, weil die äußere Reaktion auf ein Ereignis verspätet auftaucht. Obwohl die innere Reaktion bereits schon lange, lange stattgefunden hat.

Die introvertierten Realtypen haben sehr häufig das Problem, dass sie von ihrer verdrängten Intuitionsfunktion insofern geplagt werden, als diese verdrängte Intuition sich häufig an äußeren Ereignissen, weil sie ja extravertiert ist, aufhängt. Und dann haben sie oft sehr, aus ihrer realen Sicht, sehr unheimliche Eingebungen, fühlen sich oft auch verfolgt von entsprechenden Phänomenen. Tatsächlich ist der Verfolgungsdrang ein Phänomen, was bei introvertierten Realtypen gar nicht mal so selten vorkommt, insbesondere in einer weniger starken Ausprägung. Die entsprechenden Visionen oder Fantasien, die sie haben, müssen sich an äußeren Ereignissen entzünden können, weil die verdrängte Intuition extravertiert ist.

In solchen Fällen kommt dann, also spätestens dann, ein Ratschlag diesem Menschen zugute, den man immer für introvertierte Realtypen parat haben müsste: dass sie im Prinzip unbedingt ganz festen Boden unter ihren Füßen brauchen, weil sie sonst von der verdrängten Intuition, die ständig auf der Suche nach neuen Eindrücken im Sinne ihrer Extravertiertheit ist, überschwemmt werden. Das ist das wirklich Wesentlichste überhaupt, was einem zunächst und als Erstes einfallen muss, wenn man einen mit Sicherheit festgestellten introvertierten Realtypen vor sich hat. Der braucht festen Boden unter den Füßen. Und wie er den erreicht, nun, das hängt sicherlich wiederum vom Rest, vom großen, großen Rest, des gesamten Horoskops ab. Das ist zunächst mal so aus der Introvertiertheit des Realtyps nicht ableitbar.

Der extravertierte Fühltyp

Nun kommen wir zum letzten der vier Funktionstypen von C. G. Jung, nämlich dem Fühltypen, zunächst in der extravertierten Ausführung. In der Regel kann man davon ausgehen, dass der Prototyp des extravertierten Fühltyps ein sehr freundlicher, liebenswerter, man sagt auch oft, angepasster Mensch ist, der in einem positiven Sinne auch eine Herzensvernunft ins Leben einbringt und versucht, danach zu leben. Es ist oft ein Mensch, der sehr familiär angelegt ist, der also sehr großen Wert auf Harmonie im zwischenmenschlichen Bereich legt. Und deshalb kann man sagen, so findet man es jedenfalls in der Literatur beschrieben, dass er sich oft durchs Leben durchschlängelt. Was bedeuten soll, dass er versucht, so wenig wie möglich anzuecken. Das führt dann dazu, und das ist für ihn sehr wichtig, dass er im Prinzip das bekommt, was er will. Wobei – das, was er will, ist im Grunde genommen sich gut fühlen. Nichts anderes. Er will einfach positive Gefühle im Leben dominant sehen.

Auf der anderen Seite will er negative Gefühle vermeiden. Insofern hat er die Möglichkeit, beziehungsweise zum Teil aber auch das Problem, dass er sich sehr für andere Menschen einsetzt. Das geht sogar bis zu einem gewissen Aufopfern anderen gegenüber, und da wird die Situation dann relativ kritisch. Diese Fähigkeit besitzt er, dieser wässrige Typ, dieser extravertierte Fühltyp, weil er sich im Prinzip ungeheuer gut in andere Menschen hineinversetzen, einspüren kann. Er liebt dann, das ist allerdings auch eine gewisse Anlehnung ans Erdelement, im Sinne der weiblichen Komponente, er liebt dann das praktische Helfen.

Es geht nicht nur darum, jetzt einfach nur erspüren zu können, was im anderen an Schwierigkeiten vorhanden ist, sondern er hat auch das Bedürfnis, dann zu helfen. Daher verabscheut er - und das hat dann ein bisschen was mit seiner inferioren Denkfunktion zu tun - das lange herum Debattieren, das philosophische Angehen, das abstrakte Angehen von Problemen, die Menschen haben. Er würde sicherlich nicht empfehlen, zum Therapeuten zu gehen, wenn es einem schlecht geht. Sondern er empfiehlt dann eher eine warme Wolldecke und ein heißes Glas Milch und eine halbe Stunde auf der Couch ausruhen. Das kann durchaus auch nützen - keine Frage.

Auch das Gespräch mit einem guten Freund nützt oft mehr als zwei Jahre Therapie bei irgendeinem Therapeuten, den man eh nicht mag. Aber in ganz schweren Fällen wird das natürlich nicht ausreichen. Diese schweren Fälle treten relativ häufig auf, denn das Wasserelement, das hier für die Zuordnung zum Fühltypen verantwortlich ist, steht letzten Endes, wie wir ja wissen, für das Unbewusste an sich. Deshalb kann man davon ausgehen, dass ein Fühltyp mit dem Unbewussten, also mit allen seelischen Traumata, die im Unbewussten auch abgelegt sein mögen, sehr eng verschweißt ist. Das führt dann oft zu einer Gegenreaktion, die C. G. Jung mal in einer wirklich eklatanten und wunderbaren Weise – meiner Ansicht und Auffassung nach – beschrieben hat.

Er hat gesagt: ein Fühltyp kann, obwohl das eigentlich gar nicht zu seinem Typ an sich gehört, ganz plötzlich zur sogenannten kältesten Person auf Erden werden, weil nämlich dadurch gekennzeichnet ist, dass seine inferiore Denkfunktion plötzlich gnadenlos im Sinne von destruktiven Gedanken herausbricht. Dann fühlt er nicht mehr, sondern dann denkt er. Und das tut er dann in einer sehr undifferenzierten Art und Weise, das muss auch so sein, weil seine Denkfunktion verdrängt ist. Das Undifferenzierte hat häufig zu tun mit einer Destruktivität. Dann ist es zu verstehen, was mit einer kältesten Person auf Erden von C. G. Jung gemeint ist. Zusätzlich kommt hinzu, dass er häufig, und auch das ist ein Zitat, in seinem Inneren glaubt - „im Inneren“ ist dann wieder bezogen auf seine verdrängte Funktion - dass er eigentlich nichts wert ist. Dass er ein Niemand ist, dass also im Klartext andersherum gesagt, sein Selbstwertgefühl häufig sehr miserabel ist. Das ist ein typisches Merkmal von Fühltypen.

Er hat dann auch hier eine entsprechende Gegenreaktion, die oft allerdings nur unbewusst in Erscheinung tritt, parat. Und auch das würde ich gerne zitieren, weil es also hervorragend beschrieben ist: Er erlaubt sich dann bei aller äußerlichen Gefälligkeit, eine zynisch-negativistische Lebensanschauung im Hintergrund herumkriechen zu lassen. – Das ist wunderbar beschrieben von C. G. Jung und soll bedeuten, dass er aufgrund der Unfähigkeit, seine Denkfunktion bewusst und ausgeklügelt differenziert einsetzen zu können, dann ein Restgeschehen nur leben kann, das eben als zynisch-negativistische Lebensanschauung von Jung beschrieben wird.

Viele Fühltypen haben oft - auch in Anlehnung an das, was als kälteste Person auf Erden bezeichnet würde - plötzlich Anwandlungen, die sie dann zu einem Menschen werden lassen, der kaum wiederzuerkennen ist. Die Wandlungsfähigkeit eines Fühltypen, vor allen Dingen wenn seine inferiore Funktion hervorbricht, ist gigantisch und führt zu wirklich extremen Irritationen in der Umwelt. Weil er auch innere, große innere Schwierigkeiten hat - insbesondere immer dann, wenn die Gefühlslage negativ wird - wird er versuchen zu vermeiden, längere Zeit in seinem Leben alleine zu sein. Das bedeutet, dass Alleinsein für ihn dann einen Stellenwert von nicht nur eben Alleinsein, sondern auch von Einsamkeit hat. Das wird selbstverständlich sofort gleichgeschaltet mit einem negativen Gefühl. Insofern ist Alleinsein auch schon ein negatives Gefühl und er hasst es im Grunde genommen, alleine zu sein. Er wird sich deshalb, wie man weiß, an sogenannte etablierte gesellschaftliche Systeme verkaufen.

Egal, ob das jetzt Zusammenkünfte von realen Menschen sind, also so auf Deutsch gesagt, Vereinsmeierei, oder ob das geistige Systeme sind - dass er beispielsweise bestimmten gedanklichen Modellen, die von der Kirche oder von bestimmten religiösen Gruppen oder auch philosophischen Gruppen angeboten werden, dass er dem nachhängt. Aber er tut das nicht in dem Sinne oder in der Form, dass er dort eigenes Denken einbringt, sondern er lässt dort für sich denken. Das ist eine sehr bequeme Form, seine verdrängte inferiore Denkfunktion zu leben, indem er „selber denken lässt“. Das heißt er ist dann sehr wohl in der Lage, intellektuell zu beeindrucken, aber er wird diese intellektuellen Erfolge, wenn der Intellekt an sich auch genug ausgeprägt ist, nicht auf seine eigenen Fahnen schreiben können. Denn wie man es normalerweise formuliert vorfindet, wiederholt er oft nur die Phrasen anderer Menschen. Das ist nicht auf seinem eigenen Mist gewachsen.

Insofern sollte man, wenn man einen extravertierten Fühltypen vor sich hat, der zusätzlich auch intellektuell brillant in Erscheinung tritt, zunächst mal nicht ohne Prüfung versuchen, die entsprechenden Aussagen hinzunehmen. Und wenn man wirklich feststellt, dass was er zu sagen hat, aufgrund einer eigenen Anstrengung entstanden ist, dann ist es ein Mensch, der auf einem sehr hohen Entwicklungsniveau leben wird und jeden Respekt verdient. Aber wenn das nicht so ist oder auch nur annähernd nicht so ist, dann muss man, zumindest was das Denken und die Denkfunktion angeht, eine gewisse Vorsicht walten lassen.

Der introvertierte Fühltyp

Der introvertierte Fühltyp ist im anderen Sinne jemand, der nicht so wie der extravertierte Fühltyp relativ häufig und aktiv ins Leben eingreift, sondern der schwimmt einfach mit. Der ist wie ein Blatt auf einem Fluss, das flussabwärts mittreibt. Er äußert sich relativ wenig über sich und seine Person, und zwar vor allen Dingen auch nicht, was seine eigentlichen wirklichen tiefer gehenden Probleme angeht. Deshalb ist dieser Typ, der introvertierte Fühltyp, wahrscheinlich derjenige aller acht beschriebenen Typen, der ganz, ganz, ganz besonders schwer zu verstehen ist. Er fühlt sich oft als der typisch unverstandene Mensch. Er ist der Meinung, dass das Sprichwort „stille Wasser sind tief“ mit Sicherheit von ihm stammt.

Auf der anderen Seite, vor allen Dingen auf hohem Niveau, haben diese Menschen, obwohl sie eine gewisse Stille umgibt, trotzdem oft einen geheimen und trotzdem sehr starken - vielleicht gerade deshalb auch - Einfluss auf ihre Umwelt, in der sie sich befinden. Das ist das, was man oft so als die graue Eminenz im Hintergrund bezeichnet. Ihre Stille und ihre, sagen wir mal Zurückhaltung, beeindruckt häufig, vor allen Dingen, wenn es auf hohem Niveau geschieht. Und hier in diesem Falle ist weniger in der Regel mehr.

Es gibt sogar eine psychologische Abhandlung über den Fühltypen, in der die Rede vom ethischen Rückgrat der Gesellschaft ist. Dieser introvertierte Fühltyp ist ein stiller, weiser Ratgeber auf hohem Niveau und daher in der Lage, das ethische Rückgrat einer Gesellschaft zu bilden. Auf der anderen Seite ist es allerdings so, dass obwohl der äußere Eindruck eher still, ruhig, sanft und unberührt ist, dass unter der Oberfläche oft eine Vielzahl von Empfindungen, Regungen, Gedanken brodelt, mit denen sich dieser introvertierte Fühltyp beschäftigt. Und das hat sicherlich auch etwas mit seiner inferioren Denkfunktion, die in dem Fall ja extravertiert sein muss, zu tun.

An der Stelle eine ganz wichtige Anmerkung. C. G. Jung selber ist davon ausgegangen, dass sein Lehrer, Sigmund Freund, ein introvertierter Fühltyp gewesen sein muss. Das hat er vor allen Dingen an der verdrängten extravertierten Denkfunktion festgemacht, die er dem Freud unterstellt hat. Denn er war der Meinung, dass das Freud’sche Denken und damit auch die ganze psychologische Arbeit von Freud im Grunde genommen auf sehr einfachen, simplen, simplifizierenden Prinzipien beruht. Er sagte also, dass Freud nicht in der Lage ist, differenziert auf entsprechende seelische Probleme zu antworten, sondern mehr oder minder nur ein und dasselbe Antwortschema zur Verfügung hat. Und mit relativ geringen und wenigen, einfachen Werkzeugen versucht, auch sehr komplexe psychische Probleme zu erkennen.

Das hat jetzt nicht direkt etwas mit einem Nachteil, was die psychologische Arbeit angeht, zu tun. Aber es war einfach eine Feststellung von Jung, dass das Freud’sche Denksystem im Grunde genommen äußerst schlicht und einfach geartet ist und dass es - das hat er in den späteren Jahren dann auch behauptet - in vielen Fällen nicht in der Lage gewesen ist, beziehungsweise Freud nicht in der Lage gewesen ist, auf die Probleme seiner Patienten in einer adäquaten Art und Weise, einzugehen.

Das wäre eine typische Verhaltensform von introvertierten Fühltypen, dass sie undifferenziert im Denken sind. Das führt dann auch dazu, dass man einem introvertierten Fühltypen unbedingt raten muss, dass Denken, soweit es die Intellektualität und die Intelligenz zulassen, dass das unbedingt entwickelt werden muss. Gerade bei Kindern in der Schule - wenn man vom Horoskop her weiß, dass sie zum introvertierten Fühltypen hin angelegt sind - hat man oft das Problem, dass gewisse Lernschwierigkeiten auftauchen. Sogar bei entsprechend hoher Intelligenz. Das hat dann damit zu tun, dass die Denkfunktion nicht ausreichend ausgeprägt ist. Dann muss man über die Fühlfunktion versuchen, aber das würde den Rahmen jetzt sprengen, wenn das jetzt hier ausgeführt werden würde, an die verdrängte Funktion des Denkens heranzukommen, die ja in der Schule zumindest am Anfang sehr stark gefördert und benötigt wird.

Diese Denkfunktion muss besonders herausgearbeitet werden, denn sonst ist es so, dass diese Kinder oder später die Erwachsenen extreme Schwierigkeiten haben, über das Denken - was in der Berufswelt letztlich oft gefordert wird - entsprechende Probleme zu lösen. Das heißt sie leben dann häufig in Problemen, was dann wiederum dazu führt, dass sie in ihrer superioren ersten Funktion, im Fühlen, sich auch nicht wohlfühlen. Das heißt sie sind dann negativ drauf. Das zieht dann ganz weite Kreise und führt dann eventuell sogar dazu, dass diese Menschen in eine gewisse psychische Isolation geraten, beziehungsweise von der Denkfunktion her oft mit irrationalen Wahnvorstellungen und Ideen beliefert werden - das ganze Leben entgleitet dann.

Insofern ist es sicherlich ein sehr wichtiger Ratschlag für einen introvertierten Fühltypen, dass er sich um seine Denkfunktion in einem ausreichenden Maß kümmern muss. Das heißt er muss entsprechend geistige Nahrung in einem Mindestmaß zu sich nehmen, beispielsweise durch das Lesen von Büchern, um diese Denkfunktion nicht noch weiter verkümmern zu lassen, wie es bei jedem Fühltypen sonst automatisch der Fall wäre.

 

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