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Astrologie-Fernkurs Astropolarity - Zynisch und Hysterisch

(Auszug aus dem Astrologie-Fernkurs Astropolarity von Peter-Johannes Hensel)

ZWANGHAFT UND HYSTERISCH

Der zwanghafte Typ

Man spricht in der tiefenpsychologischen Typologie von Fritz Riemann von der zwanghaften Persönlichkeitsstruktur. Diese Struktur hat ihren Bezug ins dritte und vierte Lebensjahr, beziehungsweise wie Sie ja bereits wissen, zur sogenannten analen Phase. Der lebensgeschichtliche Hintergrund eines Menschen mit später zwanghafter Persönlichkeitsstruktur ist gekennzeichnet durch eine sogenannte motorisch aggressive, expansive, beziehungsweise eine sehr eigenständige Anlage. Ein Kind ist besonders stark auf Bewegung aus, hat einen starken Bewegungsdrang, ist in dem Sinne expansiv. Zum Beispiel, wenn das Kind anfängt zu krabbeln, krabbelt es nicht im Kreis rum, sondern versucht, möglichst weit weg von der entsprechenden Ausgangsstelle zu kommen. Und es ist in dem Sinne auch, wenn es dann ein bisschen älter geworden ist, vor allen Dingen im dritten und vierten Lebensjahr, sehr eigenständig. Was dazu führt, dass viele Eltern mit solchen Kindern große Probleme haben, weil sie der Meinung sind, dass die Trotzphase hier ungeheuer stark ausgeprägt wäre.

Diese Phase wird zwar als Trotzphase bezeichnet, aber es handelt sich hier nicht um wirklichen Trotz in dem Sinne des Wortes, sondern um eine normale Entwicklung, nämlich um die Entwicklung des eigenen Ichs, das gegen das Ich der Eltern gestellt wird. Aus der Sicht der Eltern, die sich möglicherweise über solche Dinge noch keine Gedanken gemacht haben, erscheint das als Trotz. Aber im Grunde genommen ist es eine ganz natürliche Reaktion jedes Kindes, auf das Erleben des eigenen Ichs, dass also dieses Ich dann gegen das der Eltern gestellt wird. Nur im Falle von zwanghaften Persönlichkeitsstrukturen ist es so, dass diese Eigenständigkeit, diese sogenannte Trotzreaktion, in einem besonderen Maße ausgeprägt ist.

Diese überschäumende starke Impulsivität, dieser enorme Tätigkeits- und Bewegungsdrang, diese starke Expansivität, führt nun dazu – und das ist die eigentliche Keimsituation, das die Zwanghaftigkeit dann hervorruft – dass die Eltern sich sozusagen gezwungen fühlen oder gezwungen sehen, dieser Expansion Einhalt zu gebieten. Es kommt zu einer sehr frühen Hemmung, Drosselung, beziehungsweise auch Bestrafung, sämtlicher lebendiger Impulse oder Affekte, die das Kind an den Tag legt. Diese Hemmung, Drosselung oder Bestrafung – Bestrafung ist ein sehr wichtiges Thema bei den Zwanghaften – führt dazu, dass kein gesunder Eigenwille entstehen kann. Der ist zwar angelegt, aber aufgrund der extremen Überangelegtheit kommt es zu einer Hemmung seitens der Umwelt, und damit aber wiederum zu einer Fehlentwicklung, was den Eigenwillen angeht. Man weiß heute, dass die Stärke des zwanghaften Verhaltens eines später erwachsenen Menschen sehr von dem Verhältnis zwischen dem Triebimpuls und der Angst vor Bestrafung abhängt (darf ich etwas oder darf ich es nicht).

Der Drang, wirklich etwas zu tun, also der entsprechende Triebimpuls, muss immer im Verhältnis gesehen werden zu der Angst, was passiert, wenn ich diesem Trieb nachgebe. Im Grunde genommen ist es so, dass bei den wirklich zwanghaften Persönlichkeitsstrukturen schon in der frühen Kindheit, also im dritten und vierten Lebensjahr, ein sogenanntes reflexartiges Unterbrechen des vitalen Impulses stattgefunden hat. Mit dem Ziel, sich kindlich „richtig“ zu verhalten. Eventuell dann dafür, dass man etwas nicht getan hat. Denn dadurch sind die Zwanghaften in der Regel gekennzeichnet, durch Unterlassungssünden, wie man so schön sagt. Wenn man also etwas nicht getan hat, und vielleicht sogar dafür belohnt wird. Es entsteht hier ein Urzweifel, der definiert werden kann als „darf ich oder darf ich nicht“. Und dieser Urzweifel, innerhalb dessen man sich nicht immer für das „ich darf nicht“ entscheidet, dieser Urzweifel verselbstständigt sich und wird dann im Laufe der Zeit als Schutzwall gegen die eigene Vitalität und Spontanität aufgebaut, beziehungsweise eigentlich muss man sagen, missbraucht.

Wenn ein Mensch mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstruktur erwachsen geworden ist, stellt sich das in der Regel wie folgt dar: Ein Zwanghafter ist gekennzeichnet durch ein überwertiges Sichern und auch Regeln, beziehungsweise Maßregeln, allem Lebendigen, aller lebendigen Impulse, weil er auf der anderen Seite gekennzeichnet ist durch einen vollkommenen Vertrauensschwund in alle natürlichen Entwicklungen. Das erinnert uns sehr, sehr stark an die Jungfrau, aber dazu später noch mehr. Das Ausüben von Macht und das ständige Eingreifen in das Leben soll eine Sicherheit bringen, die natürlich letzten Endes bei einer pathologischen Form von Zwanghaftigkeit nur eine Scheinsicherheit ist. Und das Ausüben von Macht führt zu einer entsprechenden Fremdkontrolle, beziehungsweise auch zum Teil zu einer Selbstkontrolle. Diese Kontrollmechanismen können nur aufrechterhalten werden, wenn man gleichzeitig einen sehr starken Verdrängungsmechanismus am Laufen hat. Das heißt man nimmt sich ständig zusammen, man reißt sich ständig zusammen und verdrängt all das, was den normalen Tagesablauf verhindern könnte. Und in diesem Moment entsteht ein zwanghafter Tagesablauf, der gekennzeichnet ist durch Rituale, die eingehalten werden müssen, wobei das Entscheidende dabei ist, dass sie eingehalten werden „müssen“. Der Zwang etwas zu tun, steht hier im Vordergrund.

Die Unfähigkeit, etwas einfach nur sein zu lassen oder den Dingen des Lebens ihren Lauf zu lassen, das fehlt hier vollständig. Wobei diese fehlende Möglichkeit natürlich auch die enorme Angst vor allem Lebendigen symbolisiert. Diese Angst ist letzten Endes auch in Korrelation zu sehen mit einer Angst vor Bestrafung, wenn das Lebendige herausgelassen wird, denn das hat der Erwachsene schon als Kind kennen gelernt. Im Sinne dieses angesprochenen Urzweifels - darf ich jetzt tun, was ich eigentlich selber möchte, oder darf ich es nicht. Insofern entsteht auch hier, typisch für den zwanghaften Persönlichkeitstyp, eine enorme Angst vor Risiko. Und diese Angst vor Risiko wird in einer Überkorrektheit und in zum Teil auch zwanghaften Aggressionen versucht abzubauen.

Letzten Endes ist es aber so, weil wir uns hier im zweiten Quadranten befinden, dass das Thema der Gefühle und der Emotionen mit angesprochen werden muss. Hier allerdings im pathologischen Sinne, dass ein Zwanghafter seine Gefühle mehr oder weniger immer in der Hand hat und auch Angst davor hat, Gefühle herauszulassen. Denn dann weiß er nicht, was die machen - die fangen dann einfach an sich auszuleben und führen zu Konsequenzen, die man nicht mehr kontrollieren kann. Also ein Zustand, in den ein zwanghafter Mensch überhaupt nicht gerne geraten möchte. Insofern ist es sehr vernünftig, würde er sagen, Gefühle immer zu kontrollieren und in der Hand zu halten, damit sie nicht ein unkontrollierbares Eigenleben führen können.

Liebesbeziehungen, auch im Sinne von Sexualität, sind hier dadurch gekennzeichnet, dass sie sehr leicht störbar sind. Das heißt sie sind abhängig von Bedingungen – ein wunderbares Wort für den Zwanghaften, er liebt es – von Bedingungen, die erfüllt sein müssen. Er wird also die entsprechende Messlatte schon so hoch hängen, dass das so gut wie ausgeschlossen ist, dass die Bedingungen erfüllt werden können. Gleichzeitig ist hier auch Eifersucht ganz stark im Spiel. Wobei die Eifersucht sich darauf bezieht, dass der Partner oft als eine Art funktionierender Besitz angesehen wird, der aus dem entsprechenden Verhaltensschema nicht ausbrechen darf. Wir haben es mit verschiedenen Arten von Eifersucht im Leben zu tun. Aber diese Eifersucht, um die es beim zwanghaften Persönlichkeitstyp geht, ist eine Eifersucht, die nicht ertragen will, dass ein anderes Leben, also ein anderer Mensch, in einer anderen Verhaltensmodalität, in einem anderen Verhaltensschema oder Muster auftaucht.

Alles muss so geschehen, wie der Zwanghafte es sich vorstellt. Und alles, was diesen Vorstellungen widerspricht, wird dann in meistens sehr unangenehmer Form aus dem Leben entfernt. Das hat dann oft mit Aggressionen zu tun, die in einer extremen Art und Weise urplötzlich hervorbrechen, so scheint es. Meistens auch in intensiver Form hervorbrechen - Zwanghafte hinterlassen oft Verwüstungen, wenn ihre Aggressionen ausgebrochen sind, wobei die Aggressionsäußerungen bei Zwanghaften aber in der Regel immer mit Schuldgefühlen und in der Folge dann auch mit sogenannten Wiedergutmachungstendenzen einhergehen. Aggressionen können vom Zwanghaften, das weiß man heute, ausgelebt werden, indem sie fanatisch an einer bestimmten Idee oder Vorstellung festhalten. Leute, die eine bestimmte Vorstellung verfolgen, obwohl offensichtlich ist, dass es die falsche ist, sie aber trotzdem nicht – im Sinne der Zwanghaftigkeit – davon loslassen können, haben wahrscheinlich diese zwanghafte Persönlichkeitsstruktur in sich.

Wenn ein Zwanghafter sein Verhalten an Normen koppelt – das ist auch eine gängige Modalität im Verhalten - wenn das also an Normen gekoppelt ist, wenn er immer Regeln weiß, um sein Verhalten zu begründen, dann kommt es auch sehr darauf an, ob dieser zwanghafte Typ relativ intelligent ist. Denn wenn er das ist, dann ist er sehr wohl in der Lage, anderen Menschen, die ihn möglicherweise kritisieren, und das mag er auch gar nicht gerne, dass er ihnen sehr plausibel seine zwanghaften Verhaltensformen erklären kann. Und wenn er intelligent ist, tut er das so plausibel, dass die anderen sogar sagen: Mensch, das ist ja richtig toll! Schade, dass ich nicht zwanghaft bin.

Das ist jetzt natürlich so nicht ganz ernstgemeint, weil der Zwanghafte letzten Endes schon krank ist und das alle anderen das mehr oder weniger sehen. Aber bei hohem Entwicklungsniveau, auch im Sinne der Intelligenz, kann ein Zwanghafter seine Zwanghaftigkeit sehr plausibel erkennen. Und man denkt sich eigentlich: mein lieber Mann, hm, da ist ja was dran. Nun, das nur als Nebenhinweis. Wichtig zu wissen bei der Zwanghaftigkeit ist auch, dass sie sehr häufig einhergeht mit einer gewissen Verschlagenheit, die das Resultat meistens sehr schlimmer und harter Bestrafung in der Kindheit ist. Zwanghafte sind leider oft misshandelt worden. Je häufiger oder heftiger das passiert ist, umso größer ist oft auch die Verschlagenheit, die sie dann an den Tag legen. Rein körperlich gesehen sind sie oft gekennzeichnet durch Herz- und Kreislaufstörungen, möglicherweise auch durch Migräneanfälle und Schlafstörungen. Das sind so Symptome, die auf eine zwanghafte Struktur durchaus hinweisen. Und je heftiger diese Symptome oder je chronischer diese Symptome vorhanden sind, umso mehr liegt die Vermutung nahe, dass der entsprechende Mensch eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur hat.

Was die Therapie von Zwanghaften angeht, so kann man sicherlich sagen, dass er im Prinzip erlernen muss, das Leben gelassener und entspannter zu sehen, wobei es dann entsprechende Therapieformen für zwanghafte Persönlichkeitsstrukturen gibt. Er muss also im Prinzip lernen, das Leben in seiner Lebendigkeit zuzulassen und nicht immer versuchen, die Dinge vorwegzunehmen, sich zu schützen, zu unterstellen, dass alles schlecht wird und immer nur aus der Vernunft heraus zu reagieren. Er muss lebendige Impulse zulassen. Wenn er das tut, befindet er sich auf dem richtigen Weg. Man kann zum Beispiel an den Träumen, die er dann hat, ablesen, dass diese nicht mehr so farblos und mager sind, dass diese nicht mehr nur von Katastrophen handeln oder von irgendwelchen schmutzigen analen oder fäkalen Themen.

Das sind sehr beliebte Trauminhalte von zwanghaften Menschen. Wenn das so nicht mehr auftaucht, dann ist ein Zwanghafter auf dem richtigen Weg. Aber sowie die Träume sehr farblos und mager sind, auch sozusagen in schwarzweiß geträumt wird, das ist tatsächlich so, ist man immer noch sehr im zwanghaften Stadium gefangen. Der natürliche Impuls, der hinter der Zwanghaftigkeit steht, ist das normale Streben nach Sicherheit und nach Dauerhaftigkeit. Das trägt jeder Mensch in sich. Aber wenn es überwertig gelebt wird, dann haben wir es mit Zwanghaftigkeit zu tun. Die Angst vor Veränderung, vor Wandlung, vor Risiko wird von einem zwanghaften Menschen natürlich sehr gepflegt, wobei jede Wandlung, jede Veränderung als Vergänglichkeit und Unsicherheit erlebt wird. Er versucht, Vergänglichkeit und Unsicherheit aus seinem Leben zwanghaft zu verbannen und strebt in einem extremen Sinne nach Sicherheit und nach Dauer. Die seelische Bewegung, mit der wir es hier zu tun haben, ist die des sogenannten Zentripetalen. Es gibt eine Gegenbewegung, das ist das Zentrifugale, wobei das Zentrifugale vom Mittelpunkt wegstrebt an die äußere Peripherie des Kreises. Und das Zentripetale sozusagen auf den Mittelpunkt zustrebt und den Mittelpunkt im Sinne von Masse ständig versucht zu erweitern. Zentripetal ist also die Bewegung, die das Zwanghafte im Sinne der Psyche nimmt.

Der hysterische Typ

Die vierte Persönlichkeitsstruktur nach Fritz Riemann ist der sogenannte hysterische Typ. Und der ist bezogen auf den Zeitraum viertes, fünftes, sechstes Lebensjahr und wird entwickelt in der sogenannten ödipalen Phase. Der lebensgeschichtliche Hintergrund eines hysterischen Menschen ist auch im Vergleich zu den anderen relativ dramatisch. Wir haben es zunächst mit einem Menschen zu tun, der eine sehr ausdrucksfreudige, lebhafte und auch geltungsbedürftige Anlage hat, als Kind schon. Aber dieses Kind wird feststellen müssen, dass die Eltern, und zwar beide Elternteile - das ist ganz wichtig - als Vorbilder ins Leben hinaus versagen. Das heißt in der Tiefenpsychologie spricht man von einem sogenannten „Eltern-Imago“. Von dem Bild der Eltern, das die Eltern im Sinne ihrer Geschlechtlichkeit, der Vater als männlicher Part, die Mutter als weiblicher Part, dem Kind gegenüber spielen. Das Kind nimmt beide Eltern sozusagen an die rechte und linke Hand und sagt indirekt zu den Eltern: Papa, führ du mich ins Männliche... Mama, führ du mich ins Weibliche. Das geschieht hier aber nicht. Und zwar auf beiden Seiten. Das ist ganz entscheidend.

Hier haben beide Eltern einen Anteil an der hysterischen Persönlichkeitsstruktur, wobei der Anteil, den sie haben, natürlich nicht jetzt als Schuld bewertet werden muss, sondern nur als äußere Personifizierung dieser Anlage des Kindes. Die Eltern versagen als Vorbilder, beziehungsweise als Führer in die Lebensrealität hinaus. Und das führt schlicht und einfach dazu, dass das Kind seine eigene Identität nicht finden kann. Aufgrund dieser Identitätslosigkeit, durch die hysterische Persönlichkeitsstrukturen gekennzeichnet sind, entsteht die Hysterie. Wobei man richtigerweise sagen muss, es entsteht die sogenannte reaktive Hysterie. Denn die Hysterie ist immer eine Reaktion auf eine Umwelt, die leer geblieben ist, weil die Eltern als Führer in diese Umwelt hinaus nicht zur Verfügung gestanden haben. Ein Hysteriker ist einsam.

Des Weiteren ist aus der Forschung zu berichten, dass Hysteriker relativ lange an der gegengeschlechtlichen Bezugsperson fixiert bleiben. Und dieses Bild später auch auf den Partner fixieren. Das heißt, Hysteriker suchen sich oft Partner, die der jeweiligen gegengeschlechtlichen Bezugsperson im Sinne der Eltern entsprechen sollen. Vor allen Dingen diese Fixierung an der gegengeschlechtlichen Bezugsperson ist eine gute Erklärung für den Bezug der hysterischen Persönlichkeit in den vierten Quadranten, also in die ödipale Phase. Denn der Ödipus war eine mythologische Figur, die in der Lage gewesen ist, den eigenen Vater, also das Gleichgeschlechtliche, zu töten, um sich dann mit der Mutter, mit der gegengeschlechtlichen Hälfte, zu vermählen. In Kurzform: Der Ödipus-Komplex ist eine ganz große tiefenpsychologische Personifizierung zur gleichgeschlechtlichen Bezugsperson, mit gleichzeitiger Liebe zur gegengeschlechtlichen Bezugsperson. Dasselbe können Sie auch umgekehrt im sogenannten Elektrakomplex wiederfinden, da ist es dann allerdings das Mädchen, das den Vater heiratet und vorher die Mutter tötet. Dazu später an entscheidender Stelle mehr. Ein hysterischer Mensch, erwachsen geworden, zeigt dann folgende Symptome:

Er ist zunächst dadurch gekennzeichnet, dass er sich sämtlicher Konsequenzen seines Handelns entziehen will. Er bagatellisiert dabei auch die Konsequenzen seines Handelns, er bagatellisiert die Realität, in der er sich befindet, und ermöglicht sich dadurch über einen gewissen Zeitraum, der mehr oder weniger lang sein kann, auch gewisse Scheinüberlegenheiten oder Scheinfreiheiten. Da ein Hysteriker dadurch gekennzeichnet ist, dass er Angst vor Festlegung hat, weil er ständig nach Wandlung und Risiko strebt, wird er Angst vor dem Tod haben. Denn Alter und Tod sind Festlegungen, die im Prinzip nicht übersehen werden können. Während er Angst vorm Tod hat, hofft er aber auf das Wunder der Unsterblichkeit. Eine typische hysterische Einstellung.

Er besitzt zudem das sogenannte finale Denken. Das heißt er ist auf sogenannte Sofortverwirklichung aus, weil er im Grunde genommen nicht warten kann. Hysteriker sind auch dadurch gekennzeichnet, dass sie oft Therapien abbrechen, weil sie sich erhoffen, so schnell wie möglich gesund zu werden. Wenn es dann aber leider drei Tage dauert und nicht nur eine Minute, dann ist das schon viel zu viel und dann brechen sie die Therapie ab. Ob das jetzt eine medikamentöse Therapie ist oder eine psychologische Therapie, spielt da überhaupt keine Rolle. Sie setzen einfach die Pillen ab, schmeißen sie in den Papierkorb und sagen: nee, das wird ja alles nichts. Oder gehen einfach nicht mehr zu den entsprechenden Therapieterminen.

Hysteriker sind relativ therapieresistent und aufgrund der Tatsache, dass sie mit dem vierten Quadranten korrelieren, sind sie natürlich in dem Sinne auch, so kann man es auch erklären, einfach schwer erreichbar. Gleichzeitig wollen sie aber sehr lange ein unverbindliches Kind bleiben, weil Erwachsene, das haben sie schon gelernt, welche sind, die sich festlegen oder festgelegt werden können. Und wenn ich ein Kind bleibe, dann kann man mich nicht kriegen. Dann wird man immer nachsichtig sein und in Ruhe lassen. Des Weiteren weiß man, dass Hysteriker eigentlich ohne Vergangenheit leben. Sie sind geschichtslose Wesen, denen deshalb auch Kontinuität fehlt. Sie flattern im Grunde genommen wie ein Fähnchen im Wind und drehen sich auch nach dem Wind, je nachdem aus welcher Richtung er bläst.

Sie haben in dem Sinne eine Anpassungsfähigkeit, die aber mit einer gewissen Vorsicht zu genießen ist, denn diese Anpassungsfähigkeit resultiert letzten Endes daher, dass sie aufgrund ihrer fehlenden Identität – das müssen Sie bitte immer bedenken – sehr leicht in der Lage sind, Pseudopersönlichkeiten zu entwickeln und in die Identitäten fremder Menschen zu schlüpfen. Das ist ganz leicht, das ist so wie beim Fasching. Die können sich jedes Kostüm anziehen und tauchen dann jede Minute mit einem anderen Kostüm auf. Und alle applaudieren - sehr wichtig für einen Hysteriker - aber ihre eigene Identität ist das natürlich nicht. Man weiß beispielsweise auch, Stichwort Applaus, dass ein hysterischer Mensch einen sogenannten hysterischen Anfall nur dann bekommt, wenn er mindestens einen Zuschauer hat. Wenn Sie einen Hysteriker eine Weile isolieren, also in einer psychiatrischen Anstalt meinetwegen, das wurde früher zu Testzwecken durchaus gemacht, dann bekommt der keine hysterischen Anfälle. Ein Hysteriker muss auf sich aufmerksam machen, weil er ja, wie Sie wissen, alleine gelassen worden ist. Und wenn niemand in der Nähe ist, dann lohnt sich das für ihn nicht, um Hilfe zu rufen. Er macht das erst dann – und der Hilferuf ist im Grunde genommen der hysterische Anfall – wenn mindestens einer da ist, der es dann hören kann, beziehungsweise der dann Applaus geben könnte.

Natürlich braucht auch ein Alleingelassener einen anderen, mit dem er durchs Leben geht. Er braucht einen Partner, der ihm hilft, durch dezente Liebesbeweise den Selbstwert langsam aufzubauen. Er braucht auch eine ständige Bestätigung, wenn man so will, durch eine im Außen lebende Person, um diesen fehlenden Urgrund langsam zu finden und auf diesem Urgrund langsam stehen und laufen zu lernen. Wenn ein solcher Mensch fehlt, dann wird der hysterische Mensch in der Regel sehr lange steckenbleiben in Hoffnungen, die mit der Realität seines Lebens wenig zu tun haben. Er wird sehr stark, dadurch ist er auch gekennzeichnet, in die Zukunft hinaus leben. Aber Planungen anstellen, von denen er feststellen wird, dass sie nicht zu realisieren sind.

Der andere Mensch, der den Hysterischen dann in seinem Leben begleitet, führt oft zu einer gewissen Erdung und baut eine gewisse Bodenständigkeit auf, durch die der Hysterische eigentlich überhaupt nicht gekennzeichnet ist. Ebenso muss er unbedingt lernen, Liebesfähigkeit zu entwickeln, denn erst darüber, über die Liebesfähigkeit, entsteht die Fähigkeit, sich einen Bezug zu anderen Menschen, also eine Brücke zum „du“ zu bauen. Es entsteht sozusagen eine Gegenbewegung zu der frühkindlichen Erlebnisform des Alleinseins. Liebe muss hier auch praktiziert werden, darf nicht nur einfach als Ideal ins Leben gehangen werden, so wie eine Gottheit, die auf den Altar gestellt wird. Sondern es muss ganz praktisch auch gelebt werden.

Der normale natürliche Impuls, um den es hier geht, der als Hysteriker übersteigert gelebt wird, ist der Impuls nach Wandlung und Risiko. In dem Sinne hat ein hysterischer Mensch im Grunde genommen Angst vor allen Notwendigkeiten des Lebens, die aus seiner Sicht als Endgültigkeit und als Unfreiheit erlebt werden. Alles was einschränkend ist, was die Wandlungsfähigkeit und Risikobereitschaft behindert, wird verdrängt. Insofern ist das Streben nach Wandlung und Risiko, wenn es hier beim Hysteriker so überwertig pathologisch übersteigert auftaucht, die Haupt-Erklärung dafür, dass alles was beengend und endgültig ist, also was nicht ewig währt, im Grunde genommen die zentralen Ängste eines hysterischen Menschen berührt. Daher flüchtet er aus der Enge, und das ist auch die Erklärung dafür, dass die psychologische Richtung, die das Hysterische nimmt, immer die des Zentrifugalen ist. Also weg vom Zentrum, so weit wie möglich weg, so weit wie möglich hinaus. Und das erinnert uns eher an den Wassermann, an das Wassermann-Prinzip, das ja, wie Sie wissen, in der Mitte des vierten Quadranten angelegt ist.

 

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