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Astrologie-Fernkurs Astropolarity - Leere im Zuhören

(Auszug aus der Astrologie-Ausbildung Astropolarity von Peter-Johannes Hensel)

LEERE IM ZUHÖREN

Ich möchte Ihnen zwei Geschichten erzählen.

Die erste Geschichte lautet folgendermaßen. Jemand will es endlich wissen. Er schwingt sich auf sein Fahrrad, fährt in die offene Landschaft und findet abseits vom gewohnten einen anderen Pfad. Hier gibt es keine Schilder. Und so verlässt er sich auf das, was er mit seinen Augen vor sich sieht und was sein Schritt durchmessen kann. Ihn treibt so etwas wie Entdeckerfreude. Und was ihm vorher eher Ahnung war, wird jetzt zur Gewissheit. Doch dann endet dieser Pfad an einem breiten Strom, und er steigt ab. Er weiß, wenn er noch weiter will, dann muss er alles, was er bei sich hat, am Ufer lassen. Dann wird er seinen festen Grund verlieren und wird von einer Kraft getragen und getrieben werden, die mehr vermag, als er, sodass er sich ihr anvertrauen muss. Und daher zögert er und weicht zurück. Als er dann wieder heimwärts fährt, da wird ihm klar, dass er nur wenig weiß, was hilft, und dass er es den anderen auch nur schwer vermitteln kann.

Zu oft schon war es ihm wie jenem Mann ergangen, der einem anderen auf dem Fahrrad hinterherfährt, weil dessen Schutzblech klappert. Er ruft ihm zu: „Hey, hey du! Dein Schutzblech klappert.“ – „Was?“ – „Dein Schutzblech klappert!“ – „Ich kann dich nicht verstehen“, ruft der andere zurück, „mein Schutzblech klappert.“ Irgendetwas ist hier schiefgelaufen, denkt er. Und dann tritt er auf die Bremse und kehrt wieder um. Ein wenig später trifft er einen alten Lehrer. Er fragt: „Wie machst du denn das, wenn du anderen hilfst? Oft kommen zu dir Leute und fragen dich um Rat, in Dingen, von denen nur wenig weißt. Doch nachher geht es ihnen besser.“ Der Lehrer gab zur Antwort: „Nicht am Wissen liegt es, wenn einer auf dem Wege stehenbleibt und nicht mehr weiter will. Denn er sucht Sicherheit, wo Mut verlangt wird und Freiheit, wo das Richtige ihm keine Wahl mehr lässt. Und so dreht er sich im Kreis. Der Lehrer aber widersteht dem Vorwand und dem Schein. Er sucht die Mitte und dort gesammelt wartet er. Wie einer, der die Segel aufspannt vor den Wind. Ob ihn vielleicht ein Wort erreicht, das wirkt? Wenn dann der andere zu ihm kommt, findet der ihn dort, wohin er selber muss. Und die Antwort ist für beide. Beide sind Hörer.“ Und der Lehrer fügte hinzu: „Die Mitte fühlt sich leicht an.“

Nun die zweite Geschichte. Jemand wird hinein geboren in seine Familie, seine Heimat und Kultur, und schon als Kind hört er, wer einst ihr Vorbild war, ihr Lehrer und ihr Meister. Und er spürt die tiefe Sehnsucht, so zu werden und zu sein wie dieser. Er schließt sich Gleichgesinnten an, übt sich in jahrelanger Zucht und folgt dem großen Vorbild nach, bis er ihm gleich geworden ist und denkt und spricht und fühlt und will wie er. Doch eines, meint er, fehle noch. So macht er sich auf einen weiten Weg, um in der fernsten Einsamkeit auch eine letzte Grenze vielleicht noch überschreiten zu können. Er kommt vorbei an alten Gärten, die längst verlassen sind. Nur wilde Rosen blühen noch und hohe Bäume tragen jährlich Frucht, die aber achtlos auf den Boden fällt, weil keiner da ist, der sie will. Und danach beginnt die Wüste. Schon bald umgibt ihn eine unbekannte Leere. Ihm ist, als sei hier jede Richtung gleich. Und auch die Bilder, die er manchmal vor sich sieht, erkennt er bald als leer. Er wandert, wie es ihn nach vorne treibt. Und als er seinen Sinnen längst nicht mehr vertraut, sieht er vor sich die Quelle. Sie sprudelt aus der Erde und versickert schnell. Dort aber, wo ihr Wasser hinreicht, verwandelt sich die Wüste in ein Paradies. Als er dann um sich schaut, sieht er zwei Fremde kommen. Sie hatten es genau wie er gemacht. Sie waren ihrem Vorbild nachgefolgt, bis sie ihm gleich geworden waren, und sie hatten sich, wie er, auf einen weiten, weiten Weg gemacht, um in der Einsamkeit der Wüste auch eine letzte Grenze vielleicht zu überschreiten. Und sie fanden, so wie er, die Quelle. Zusammen beugen sie sich nieder, trinken von dem gleichen Wasser und glauben sich schon fast am Ziel. Dann nennen sie sich ihre Namen.

„Ich heiße Dao Tama, der Buddha.“ „Ich heiße Jesus, der Christus.“ „Und ich heiße Mohammed, der Prophet.“ Dann aber kommt die Nacht. Und über ihnen strahlen wie eh und je unnahbar fern und still die Sterne. Sie werden alle stumm, und einer von den Dreien weiß, sich dem Vorbild, dem großen Vorbild, nah wie niemals zuvor. Ihm ist, als könne er für einen Augenblick erahnen, wie es ihm ergangen war, als er es wusste. Die Ohnmacht, die Vergeblichkeit, die Demut. Und wie es ihm ergehen müsste, wüsste er auch um die Schuld. Am nächsten Morgen kehrt er um, und er entkommt der Wüste. Noch einmal führt sein Weg vorbei an den verlassenen Gärten, bis er an einem Garten endet, der ihm selbst gehört. Vor seinem Eingang steht ein alter Mann, als hätte er auf ihn gewartet. Und dieser sagt: „Wer von so weit zurückgefunden hat wie du, der liebt die feuchte Erde. Er weiß, dass alles, was wächst, und wenn es wächst, auch stirbt. Und wenn es aufhört, nährt.“ „Ja“, gibt der andere zur Antwort, „ich stimme dem Gesetz der Erde zu.“ Und er beginnt, sie zu bebauen.

 

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